Sonntag, 15. April 2018

Magische Welt

Haruki Murakami: Die Ermordung des Commendatore. Eine Idee erscheint. Bd. 1. 26.- € . DuMont

Ich bin ein Fan von Murakami. Wenn man einen Autor mag, dann muss man natürlich jedes neue Buch von ihm lesen. Wie alle Bücher Murakamis spielt auch dieses mit Geheimnissen. Dem namenlosen Ich-Erzähler passiert im Äußeren gar nicht viel - und doch entsteht Spannung durch die Beschreibung innerer Vorgänge und magischer Vorkommnisse. Nach und nach wird man in eine andere Welt hineingezogen.
Die Story: Nachdem ihn seine Frau verlassen hat, fährt ein 36jähriger japanischer Porträtmaler zunächst ziellos durchs Land. Ein Freund bietet ihm schließlich an, das Haus seines alten, dementen Vaters zu hüten, der es früher auch als Atelier genutzt hat. Er hatte in den 30ger Jahren in Wien moderne Malerei studiert, wurde aber später ein bekannter Vertreter des Japanischen Nihonga Stils. Das Haus liegt abgeschieden an einem Hang im Wald. Auf dem Dachboden entdeckt der Porträtmaler ein unbekanntes Bild des alten Malers  mit dem Titel "Die Ermordung des Commendatore" und versucht daraufhin interessiert, mehr über sein Leben herauszufinden. In der Villa am Hang gegenüber lebt ein reicher Unternehmer, der sich aus der Gesellschaft zurückgezogen hat. Er beauftragt den Porträtmaler, ein Bild von sich anzufertigen und sitzt dafür Modell. Der Auftrag inspiriert den Porträtmaler zu einem neuen künstlerischen Stil. Maler und Modell kommen sich näher und werden gemeinsam in mysteriöse Ereignisse verstrickt: Glocken klingen nachts aus einer Erdgrube, eine Idee inkarniert sich in der Gestalt des Commendatore aus dem Gemälde. Schließlich bittet der Unternehmer seinen Porträtisten um einen besonderen Gefallen…Hier endet der Roman, der vom Autor auf eine Fortsetzung angelegt ist.
Wieder einmal ein Leckerbissen für Murakami-Fans und eine Empfehlung für alle, die es werden wollen.  

Dienstag, 3. April 2018

Gefährliche Liebschaften

Carlos Del Amor: Die einzig wahre Liebe. 234 Seiten. 10.- €. Atlantik Verlag

Die Story: Ein Journalist und Schriftsteller verbringt den Hochsommer allein in Madrid, weil er an einem Roman arbeiten will. Aber ihm fehlt noch ein zündendes Thema. Sämtliche Bewohner des  mehrstöckigen Haus, in dem er lebt, sind im Urlaub. Zufällig findet er im Treppenhaus den Schlüsselbund der ebenfalls abwesenden Concierge und verschafft sich damit Zutritt zu den Wohnungen seiner Nachbarn. Dort entdeckt er beim Lesen alter Briefe und dem Betrachten von Fotos so manches, was ihm sonst verborgen geblieben wäre. Vor allem aber fasziniert ihn die Wohnung von Simón, dessen Frau Ana vor Jahren verstorben ist und der ihr bis heute nachtrauert. Er entschlüsselt ein sorgsam gehütetes Geheimnis: Ana hat Simon betrogen und wurde von ihrem Liebhaber aus dem Fenster gestoßen. Am Ende hat der Schriftsteller durch seine „Hausbesuche“ den Plot für seinen Roman gefunden.
Carlos del Amor beschreibt - entsprechend den Entdeckungen seines Protagonisten in der jeweiligen Wohnung -, kurze (Lebens-)Geschichten aus der Perspektive der Bewohner. Etwa die von Amalia, die ihre behinderte Tochter pflegt, von Marcos, der als Postbote Briefe hortet oder von Hector, der ein Verhältnis mit Ana hatte. Auf diese Weise entsteht beim Lesen das Gefühl, man begleite den Eindringling bei seinen heimlichen Besuchen und nähme am Leben der Bewohner Teil, an ihrem Schmerz, ihrer Trauer, ihrer Lust und Liebe.
Ein fantasievolles Buch, das sich gut als Urlaubslektüre eignet - vorzugsweise natürlich in Spanien.

Montag, 26. März 2018

Sprachrohr der Seele

Bijan Amini: Die Seele verstehen – Den Körper heilen. 235 Seiten. 19,95 €. Heseberg Verlag

Professor Bijan Amini, Jg. 43, war Jahrzehnte an der Universität Kiel als Erziehungswissenschaftler tätig und ist der Begründer der Krisenpädagogik. In diesem Buch berichtet er von seinen spektakulären Erfahrungen mit Heilträumen und beleuchtet die philosophischen und pädagogischen Hintergründe.
Wenn die Seele eine starke Belastung verkraften muss, leidet der Körper mit und bringt das Problem in Form von Krankheitssymptomen zum Ausdruck. Sobald dieser Zusammenhang geistig bewusst wahrgenommen wird, kann eine Heilung erfolgen. Das geschieht in der Krisenpädagogik in fünf Schritten, die insgesamt nur zwei Tage benötigen: Ein klärendes Gespräch, Erkenntnis der Thematik, Vorbereitung auf einen Traum und Deutung der Traumbotschaft. Faszinierend ist, dass sich tatsächlich in 90 Prozent der Fälle der gewünschte Traum einstellt und die (Er-)Lösung bringt. In der Folge verschwindet das körperliche Symptom. Was wie Magie oder Wunderheilung klingt, wird in diesem Buch an zahlreichen genau dokumentierten Fallbeispielen seriös belegt. Chronische Rückenschmerzen, Nierenkoliken oder Neurodermitis verschwinden, sobald ihre seelische Ursache erkannt und dank der Traumbotschaft von den Betroffenen unter einer heilsamen Perspektive gesehen wird.
Zusätzlich erläutert der Autor das Mysterium des Traumes sowie die Bedeutung des Geistes für den Menschen und zeigt einen praktischen Weg zur Gesundheit über Ernährung und Entschleunigung.
Vor allem die Fallbeispiele dürften Leserinnen und Leser beeindrucken und chronisch Kranken ein Aha-Erlebnis bescheren. Auch die philosophischen Erläuterungen sind inspirierend, setzen allerdings wissenschaftliche Denkweise voraus und sind dadurch vielleicht weniger eingängig. Ein wichtiges Buch, das einen neuen Aspekt der Verbindung von Körper, Geist und Seele dokumentiert.

Samstag, 3. März 2018

Glück muss man haben!


Robert H. Frank: Ohne Glück kein Erfolg. Der Zufall und der Mythos der Leistungsgesellschaft. 20.- €. DTV
In meinen Büchern „Tango vitale – Krisen und Chancen nutzen“ und „Spielregeln des Lebens für mehr Glück und Erfolg“, habe ich mich intensiv damit beschäftigt, inwieweit wir Einfluss auf unseren Erfolg haben und wo er dem Zufall geschuldet ist. Von daher fand ich es hochinteressant, einmal zu lesen, wie ein Wirtschaftswissenschaftler  das Thema angeht. Robert H. Frank sieht es unter soziologischem und politischem Aspekt.
Die Voraussetzungen für ein mehr oder weniger erfolgreiches Leben sind schon allein durch den Ort der Geburt gegeben. Es ist schließlich reine Glückssache, ob man in einer reichen Zivilisationen mit  ihren Möglichkeiten aufwächst. Trotzdem wird das kaum berücksichtigt. Stattdessen herrscht in unserer westlichen Welt das Denken der Leistungsgesellschaft vor. Sie geht davon aus, dass jeder Mensch seinen Erfolg oder Misserfolg selbst in der Hand hat. Entsprechend glauben viele reiche oder prominente Menschen, sie hätten sich ihren Erfolg selbst zuzuschreiben, etwa auf Grund von Fleiß, Talent, Intelligenz oder Disziplin. Der Autor weist nach, dass Zufallsereignisse in den Lebensläufen bedeutender Persönlichkeiten eine weitaus größere Rolle spielen, als sie selbst annehmen. Zahllose Menschen mit genau denselben Qualitäten werden weder reich noch berühmt, weil Ihnen genau dieses Quentchen Glück fehlt..
Frank spielt einen Eigenanteil am Erfolg keineswegs herunter. Immerhin muss der glückliche Zufall ja ergriffen und mit Qualität ausgefüllt werden. Doch nicht jeder, der es nicht nach oben geschafft hat, ist zu schwach oder hat zu wenig Kompetenz, sondern war vermutlich einfach nicht zur rechten Zeit am rechten Ort. Frank zieht ein politisches Fazit: Der Faktor „Glücklicher Zufall“ lässt sich in förderliche Bedingungen umsetzen, wie Bildung, Angebote, Verteilung von Geldern. Die Erfolgreichen sind aufgefordert, diese Ressourcen dankbar zur Verfügung zu stellen, anstatt sich narzißtisch für ihre Großartigkeit zu loben.
Robert H. Franks Buch enthält viele interessante Beispiele und Grafiken zu Untersuchungen. Es ist anregend und lesenswert. Was man nicht erwarten darf, sind metaphysische Überlegungen, wo denn der glückliche Zufall herkommt. Aber das ist auch gar nicht Franks Absicht.

Montag, 26. Februar 2018

Eine Liebe in Bielefeld

Joachim Meyerhoff: Die Zweisamkeit der Einzelgänger. Kiepenheuer & Witsch. 24.-€
In Meyerhoffs autobiografischem Roman geht es vor allem um die Liebe. Während seiner Zeit als junger Schauspieler am Bielefelder Stadttheater verliebt sich der Ich-Erzähler die Germanistik-Studentin Hanna. Sie ist auf ihre spezielle Art für ihn faszinierend: intellektuell, spontan und anstrengend exzentrisch. Nach seinem Umzug nach Dortmund lernt er am dortigen Stadttheater die Tänzerin Franka kennen: groß, attraktiv, sexy. Neben Hanna und Franka kommt schließlich auch noch Ilse ins Spiel: eine ältere Bäckersfrau mit üppigen Formen, die den Jungschauspieler frühmorgens in der Backstube mit Puddingbrezeln verführt. Zwischen diesen drei Frauen mäandert Meyerhoffs Alter Ego Joachim hin und her. Hanna darf nichts von Franka wissen, Franka nichts von Hanna, und Ilse hat ohnehin keine Ahnung von ihren Rivalinnen. Das führt zu komischen Verwicklungen, bei denen der junge Schauspieler Blut und Wasser schwitzt. Eingeflochten in diese Liebesdramen sind Seitenhiebe auf die Schauspielkollegen beider Theater und Rückblenden in die Kindheit. Am Ende scheitern alle drei Liebesbeziehungen.
Meyerhoff ist ein Meister der Sprache. Es gelingt ihm, die Gefühle seines jungen Egos genau und bildhaft auszudrücken. Hinzu kommt oft ein boshafter Witz, der allerdings die betroffenen Personen subtil entwertet. Mit dieser Einschränkung: Ein brillantes Lesevergnügen.   

Freitag, 16. Februar 2018

Absturz auf Französisch

Virginie Despentes: Das Leben des Vernon Subutex. 399 Seiten. 22.-€ . Kiepenheuer & Witsch
Vernon Subutex ist schon vor Jahren mit einem immerhin legendären Plattenladen in Paris Pleite gegangen. Als nun ein reicher Freund stirbt, der ihn bisher regelmäßig finanziell unterstützt hat, verliert er auch noch seine Wohnung. Mit der Notlüge, er sei nur auf der Durchreise, quartiert er sich der Reihe bei alten Freunden und Bekannten, die er seit Jahren nicht mehr gesehen hat, nach ein. Damit beginnt ein Reigen von ebenso bitterbösen wie genau beobachteten Porträts der jeweiligen GastgeberInnen. Darunter ist ein Rechtsradikaler, eine junge Muslimin, ein narzisstischer Börsenspekulanten, ein brasilianisches transsexuelles Model, eine Pornodarstellerin, ein professioneller Internet-Troll und ein Groupie. Die Geschichten summieren sich zu einer schonungslosen Beschreibung der Generation, die in den 80er Jahren Sex, Drugs and Rock ‘n’ Roll genossen hat,  nun aber feststellen muss, dass das Leben keine andauernde Party ist. Am Ende landet Vernon Subutex doch noch auf der Straße.
Ein Roman über die Pariser Gesellschaft, der seinen diversen Charakteren wenig Hoffnung lässt. Gut geschrieben, interessant, sehr französisch. Ein Buch, das man gelesen haben sollte, auch wenn es nicht sehr fröhlich stimmt.

Samstag, 10. Februar 2018

Und tschüss!

Marie Matisek: Frau gönnt sich ja sonst nichts. Wie sich die Trennung von meinem Mann unverhofft als Glücksfall erwies. Knaur. 12,99 €
Die Frau hat Mut! Marie Matisek, sonst Autorin von Romanen, schreibt ohne Pseudonym offen darüber, wie sie  die Trennung von ihrem Mann Thorsten bewältigt hat. Nach 20 Ehejahren wurde sie für eine Jüngere verlassen. Das wäre Grund genug, in Selbstmitleid zu versinken, doch die kluge Autorin holt sich selbst aus dem Tal der Tränen. Mit Realitätssinn analysiert sie die Gründe, die zur Trennung geführt haben.
Sie  sieht auch ihren Anteil: Lange Zeit hat sie sich neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit voll auf das Familienleben konzentriert, während ihr Mann seine Karriere verfolgte. Dabei ist die Paarbeziehung auf der Strecke geblieben. Ein Zurück gibt es nicht mehr. Marie Matisek nimmt es als Chance auf ein neues selbst bestimmtes Leben.
Dabei gelingt ihr etwas, was viele Paare in ihrer Situation nicht schaffen:
Kein Aufrechnen von Schuld, kein Hass, kein Rosenkrieg. Stattdessen Respekt und liebevolle Erinnerung an vergangene glückliche Zeiten.
Die Autorin verbindet Wahrhaftigkeit mit wohltuender Diskretion. Zudem weiß sie als Schriftstellerin Erfahrungen und Gefühle so zu beschreiben, dass es gleichzeitig ein Lesegenuss ist.
Marie Matiseks Erfahrung ist auch für (noch) glückliche Paare eine Bereicherung und für alle trennungsgeschädigten Frauen ein Vorbild.

Samstag, 3. Februar 2018

Noch einmal mit Gefühl

Ingo Vogel: Sag es einfach emotional. Gefühl schlägt Verstand – in jeder Kommunikation. 
267 Seiten. Econ. 20.- €
Der Autor ist Kommunikations- und Verkaufstrainer. Dieser Hintergrund prägt das Buch. Es geht darum, andere Menschen mit einer positiven Sprache zu gewinnen. Ein authentisches und begeisterndes Sprechen ist die Grundlage. Dazu vermittelt der Autor psychologischen Hintergrund, wie etwa die „elf emotionalen Meisterwerke“: Dankbarkeit, Optimismus, Gelassenheit, Interesse, Freude, Inspiration, Erstaunen, Begeisterung und Leidenschaft. Er beschreibt, wie man ein gutes Gesprächsklima herstellt, wie man starke Emotionen weckt oder klar Position bezieht. Dabei geht es nicht nur um ein vordergründiges Training, sondern darum, ein positives Selbst-, Welt- und Menschenbild zu entwickeln. Vorschläge für Übungen ergänzen die Kapitel.
Das Buch ist ein gut aufgebauter Ratgeber, informativ und umfassend. Ein wenig schmunzeln musste ich darüber, dass ausgerechnet ein Buch über emotionale Sprache ausgesprochen sachlich verfasst ist. Der Autor bringt weder eigene Erlebnisse noch die anderer Personen als Beispiele ein. Aber wer einfach mehr über eine wirkungsvolle Sprache lernen möchte, wird das nicht vermissen. Das Buch ist so hilfreich wie ein Coaching.

Donnerstag, 25. Januar 2018

Köstlich!

Saygin Ersin: Der Meisterkoch. Übersetzt von Johannes Neuner. 366 Seiten. Atlantik Verlag. 20.- €

Saygin Ersins Roman ist ebenso märchenhaft wie spannend. Er erinnert an „1001 Nacht“, Paulo Coelhos „Alchimist“ und die Liebesliteratur der Sufis. Die Geschichte spielt im 16. Jahrhundert in Istanbul. Protagonist ist der geheimnisvolle junge Meisterkoch Cihan, der den ultimativen Geschmackssinn besitzt. Als Sohn eines Sultans geboren, entgeht er einem Mordanschlag und wächst unerkannt beim Koch eines Lusttempels auf. Dort entspinnt sich eine zarte Liebesgeschichte zwischen ihm und der Tänzerin Kamer. Durch unglückliche Umstände werden die beiden getrennt, Kamer gerät schließlich in den Harem des Sultans. Der inzwischen in der Kunst des Kochens magisch bewanderte Cihan schleicht sich als Koch in den Palast ein, um seine große Liebe zurückzuerobern. Doch bis dahin hat er einige Prüfungen zu bestehen und muss immer wieder über sich hinauswachsen. Ob es ihm gelingt, sich wieder mit Kamer zu vereinen, sei hier nicht verraten, zumal sich die Spannung bis zuletzt hält. Der Autor streut immer wieder Rückblenden aus Cihans Vergangenheit ein, die die Entwicklung des Meisterkochs deutlich machen. Philosophische Lebensweisheiten verleihen der Erzählung Tiefe und die Beschreibung der köstlichen orientalischen Gerichte gibt ihr Kolorit.
Ein Buch ist wie ein Festmahl. Es hat mich berührt und begeistert. Last but not least ist schon der rot-goldene Umschlag eine Augenweide. Für alle RomantikerInnen, die einmal die Welt vergessen möchten: Unbedingt lesen! 

Donnerstag, 11. Januar 2018

Wünsch dir was!

Bill Griffin: The Wish. Das Buch der 99 Wünsche. 220 Seiten. Heyne Encore. 15,00 €

In meinem Buch „Wunscherfüllung für Selbstabholer“ (das leider vergriffen ist) habe ich mich ausführlich mit Wünschen beschäftigt - von daher war ich auf dieses Wunsch-Buch neugierig. Doch hier geht es nicht um allgemeines Knowhow, sondern um 99 konkrete Wünsche mit jeweils ein paar guten Tipps, wie man sie verwirklichen kann. Außer Klassikern wie der Wunsch nach Millionen oder einer Weltreise gibt es hier eine ganze Palette individueller Sehnsüchte, etwa: „Ich wünschte, ich könnte mein Geheimnis mit jemandem teilen“ oder „Ich wünschte, ich wäre nicht so handysüchtig.“ Die hat sich der Autor nicht ausgedacht, sondern gesammelt. 2014 gründete er die Webseite Crowdwish. Wer will, kann ihm seitdem seinen Wunsch mailen, sei es ein materieller oder einer, der sich auf das Leben, den Beruf, die Familie  oder Freunde bezieht. Alle 24 Stunden sucht er sich dann aus den Einsendungen einen Wunsch heraus und unterstützt den Absender bei dessen Erfüllung. Im Laufe der Jahre kamen so fast 30.000 Mails zusammen. Also hat sich Bill Griffin entschlossen, die 99 meistgenannten Wünsche auszuwählen und ein Buch darüber zu schreiben. In „The Wish“ geht er zwei Seiten lang auf jeden einzelnen Wunsch ein und gibt praktische Ratschläge, wie man ihn am besten erfüllen kann. Die Tipps sind ebenso kurz und knapp wie klug und praktisch. Zumindest vermitteln sie einen Denkanstoß. Am Ende steht immer ein Urteil über die Wahrscheinlichkeit, dass einen die Erfüllung tatsächlich glücklich macht.
„The Wish“ ist ein anregendes Buch. Es zeigt, dass sich die meisten scheinbar unerreichbaren Wünsche mit Knowhow, Planung, Kreativität und Spontanität durchaus erfüllen lassen. Sag´ ich doch!

Samstag, 6. Januar 2018

Die Glücksformel

Mo Gawdat: Die Formel für Glück und wie Sie diese nutzen.

283 Seiten. 19,99 €. Redline
Dass sich hier einmal keiner aus den Fachbereichen Psychologie,  Philosophie, Gehirnforschung oder Esoterik mit dem Thema Glück befasst, ist erfrischend neu. Mo Gwadat ist Ingenieur und Vizepräsident in Googles innovativster Denkfabrik – da darf man gespannt sein, was er zum Thema zu sagen hat. Tatsächlich geht er die Frage „Wie werde ich glücklich“ auf rationale Weise an. Strukturiert und analytisch prüft er Fakten und sucht die Logik dahinter. Gawdat geht davon aus, dass wir glücklich zur Welt kommen, dann aber durch unsere Sozialisation verwirrt werden. Indem wir jedoch lernen, unsere Gedanken zur Räson zu bringen und grundlegende Irrtümer über das Leben erkennen, haben wir unser Glück selbst in der Hand. Auch wenn der Autor streng logisch vorgeht, erkennt man hinter seiner Formelsprache doch immer wieder psychologisch-philosophische Erkenntnisse, zum Beispiel die von dem altgriechischen Philosophen Epiktet aufgestellte These „Nicht wie die Dinge sind, ist entscheidend, sondern wie wir sie sehen“.
Mo Gawdat hat das Buch nach einem schrecklichen Verlust geschrieben: Sein Sohn Ali ist mit 21 Jahren durch einen ärztlichen Kunstfehler gestorben. An diesem Schmerz muss sich die Glücksformel beweisen – und sie tut es! Sie versetzt den trauernden Vater in die Lage, nicht zu verzweifeln, sondern trotz allem noch ein glückliches Leben zu führen.
Ein ausgesprochen inspirierendes Buch über die Praxis des Glücks. An manchen Stellen hätte ich zwar gerne mit dem Autor diskutiert, weil ich als Psychologin einiges anders sehe als er, doch das Ergebnis ist zweifellos wirkungsvoll und im Alltag hervorragend anwendbar.