Donnerstag, 21. Juni 2018

Möge die Macht mit dir sein!

Phil Stutz, Barry Michels: The Force. 346 Seiten. 20.- €. Arkana

Die Autoren, beide renommierte Psychotherapeuten, zählen zahlreiche US-Stars zu ihren Patienten. Aber auch die Probleme von weniger prominenten Menschen lösen sie mit ihren unorthodoxen Methoden. Ihr erster Ratgeber „The Tools“ (die deutschen Übersetzungen tragen englische Titel) habe ich mit großem Interesse gelesen. Darin geben sie mit fünf  Fantasieübungen wirkungsvolle Werkzeuge an die Hand, um Ängste und negatives Denken zu besiegen. Ihr neues Buch „The Force“ ist eine Fortsetzung und Erweiterung. Unter der „Force“ verstehen sie die Lebensenergie, die uns drängt, unser Potenzial zu erweitern. Ihr Gegenspieler ist eine geheimnisvolle Kraft, die in uns allen steckt. Sie hindert uns auf perfide Weise daran, uns zu entwickeln. Stutz und Michels bezeichnen sie als „Part X“. Tatsächlich kennt wohl jeder von uns innere Bremsen, die uns davon abhalten, ein erfülltes Leben zu führen, wie etwa Bequemlichkeit, Ängste, mangelnde Disziplin. In diesem Buch gibt es ebenfalls „Tools“. Mit ihnen soll Part X geschwächt werden. Sie heißen „Die Schwarze Sonne“, „Der Wirbel“, „Die Mutter“ und „Der Turm“. Im Gegensatz zum ersten Buch erschließt sich mir nicht, warum gerade diese Bilder gewählt wurden: Warum ist die Sonne schwarz? Wie schluckt die „Mutter“ die bedrückende Masse negativer Gedanken? Aber nun ja, man kann schließlich ausprobieren, ob es wirkt. Genial ist jedenfalls die Benennung von „Part X“, einer modernen Version des Teufels, der in uns gegen das Gute kämpft. Damit hat das Gefühl einen Namen und kann jederzeit identifiziert werden.
Die Grundidee der Therapeuten, mit inneren Bildern gegen mentale und emotionale Beeinträchtigungen vorzugehen, ist faszinierend. Dazu geben sie LeserInnen gutes Werkzeug an die Hand. Ihre Mischung aus Schamanismus, Fantasie und psychologischem Wissen ist beeindruckend und lesenswert.

Sonntag, 17. Juni 2018

Die Freiheit der Frauen

Nina George: Die Schönheit der Nacht. 314 Seiten. 18,99 €. Knaur

Nina George kenne ich noch als Kolumnistin des Hamburger Abendblattes – ohne sie hätte ich nicht gewusst, dass bei Planten und Blomen im Sommer wunderbare Wasserspiele stattfinden. Später habe ich mit Vergnügen ihre bezaubernden Bücher „Die Mondspielerin“ und „Das Lavendelzimmer“ gelesen, mit dem sie international Erfolg hatte. Nun ist ein neuer Roman von ihr erschienen, den ich natürlich gleich lesen musste. Vor allem wo er wieder in der von mir geliebten Bretagne spielt.-
Die Pariser Verhaltensbiologin Claire und ihr Ehemann, der Komponist Gilles, führen scheinbar ein perfektes Leben, zusammen mit ihrem fast erwachsenen Sohn Nicolas. Und doch fehlt dem Paar das Gefühl, wirklich zu leben und nicht nur zu funktionieren. Jeder der beiden versucht, über Seitensprünge wieder ein Gefühl von Leidenschaft zu gewinnen. Ihren Sommerurlaub verbringen Claire und Gilles mit ihrem Sohn und dessen neuer Freundin Julie in ihrem Haus in der Bretagne. Dort kommen sich die beiden Frauen näher. Die kühle, innerlich wie versteinerte Claire und die lebenshungrige, aber ängstliche Julie sind von einander fasziniert. Während die erfahrene Claire der jungen Frau hilft, ihre Ängste zu überwinden, zeigt diese ihr einen Weg aus übermäßiger Kontrolle und Erstarrung. Die innere Verbindung der Frauen führt zu einer körperlichen Sinnlichkeit, die die Männer am Ende ausschließt - zumindest für einige Zeit.
Der Roman erhält seine Spannung nicht durch die Handlung, sondern indem er die seelischen Zustände der beiden Frauen beschreibt, ihre Suche nach ihrer wahren Identität. Eine Rolle spielt dabei auch die beeindruckende Kulisse der Bretagne, vor allem das Meer.
Nina George schreibt literarisch, poetisch, mit vielen Metaphern. Das ist oft schön, erscheint mir manchmal jedoch bemüht. Diese Ambivalenz empfinde ich auch in Bezug auf den gesamten Roman: Ich habe ihn gerne gelesen und kann die Sehnsucht der Protagonistinnen nach einem freien, authentischem Frauen-Leben durchaus nachvollziehen. Gleichzeitig erscheint mir ihr Problem luxuriös und spezifisch für die Gesellschaftsschicht, der Claire als erfolgreiche Professorin angehört. Trotz dieser (meiner persönlichen) Einschränkung lohnt sich die Lektüre.   

Dienstag, 12. Juni 2018

Gib mir Energie!

Joseph Cardillo: Energie für jede Lebenslage. Wacher, entspannter und durchsetzungsfähiger werden. 274 Seiten. 19.99 €. Scorpio Verlag
Mein persönlicher Energiespender ist morgens erst mal eine Tasse Kaffee. Aber die trägt nicht durch den Tag. So war ich neugierig darauf, welche Tipps der Autor gibt. Joseph Cardillo, ganzheitlicher Psychologe und Meister verschiedener Kampfkünste, hat einen neuen Blick auf die Bedeutung von Energie. Sie ist mehr als nur ein Grad der Wachheit , sie ist die tragende Kraft im Universum. In 12 Kapiteln befasst er sich damit, wie wir diese Lebenskraft ganz konkret erhöhen und für verschiedene Probleme nutzen können. Etwa um Stress oder Aggression abzubauen, die Stimmung zu haben, Konflikte zu lösen, das Gedächtnis zu verbessern und den Körper zu stärken. Die Chancen, das jeweilige Ziel zu erreichen, stehen umso besser, je genauer wir unsere Energie auf den Anlass abstimmen. Angenehm sachlich, gut verständlich und mit passenden Übungen erfährt man, wie sich Energie im Alltag nutzen lässt. Achtsamkeit, Meditation, Musik und Kunstwerke sind dabei meist die Mittel der Wahl. Darüber hinaus wird deutlich, wie sehr Energie tatsächlich unser Leben bestimmt.
Ein kluges, hilfreiches Buch, das man natürlich auch bei einer Tasse Kaffee lesen kann.        

Donnerstag, 7. Juni 2018

Feldforschung


Lynn McTaggart: Das Nullpunkt-Feld. Auf der Suche nach der kosmischen Ur-Energie. 330 Seiten. 9,95 €. Goldmann 
Kann es sein, dass es so etwas wie ein feinstoffliches Feld gibt, dass die unbelebte Materie und die belebte Schöpfung durchdringt? Ist es möglich, dass alles energetisch miteinander verbunden ist? Gibt es damit eine Erklärung für Phänomene wie Hellsehen, Telepathie, Geistheilung und Synchronizität? 
Sich mit solchen Fragen zu befassen, war lange Zeit Esoterikern vorbehalten, von der seriösen Wissenschaft wurde es als Fantasie abgetan. Mit den Ergebnissen der Quantenforschung wird das traditionelle Bild  allerdings erschüttert.
Die englische Wissenschaftsjournalistin Lynn McTaggart hat in 8jähriger Recherche PhysikerInnen, BiologInnen, NeurowissenschaftlerInnen und BewusstseinsforscherInnen befragt und dabei zahlreiche streng wissenschaftliche Experimente zusammengetragen. Die signifikante  Ergebnisse zeigen den Ansatz zu einer neuen Weltsicht. Offenbar kündigt sich ein tiefgreifender Paradigmenwechsel an, der das etablierte Weltbild von Newton und Darwin erschüttert.
McTaggarts versteht sich als Berichterstatterin dieser neuen Erkenntnisse. Als Journalistin gelingt es ihr, auch komplizierte Zusammenhänge für Laien verständlich zu machen. Die ausführliche Beschreibung der zahlreichen Experimente erfordert beim Lesen Geduld – man kann allerdings auch einiges überspringen. Insgesamt ist die Lektüre trotzdem anregend, weil sie auf eine völlig neue Sichtweise unserer Schöpfung aufmerksam macht. Wen das Thema interessiert, dem kann ich dieses Buch nur empfehlen.     

Sonntag, 3. Juni 2018

Heute in einem Jahr...

Alexandra Reinwarth: Das Leben ist zu kurz für später. Stell dir vor, du hast nur noch ein Jahr – ein Selbstversuch, der dein Leben verbessern wird. 231 Seiten. 16,99 €. MVG Verlag

Was würden Sie tun, wenn Sie genau wüssten, dass Ihr Leben in einem Jahr definitiv zu Ende ist? Spontan denkt man vielleicht: „Ich kündige sofort meinen Job“ oder: „Ich mache eine Weltreise“ oder „Ich gebe meine gesamten Ersparnisse für Luxus aus.“ Das Ergebnis von Alexandra Reinwarths Ein-Jahres-Experiment ist sanfter und realistischer, aber trotzdem wirkungsvoll. Für sie führt diese Fantasievorstellung dazu, dass sie erkennt, was ihr wirklich wichtig ist. Zum Beispiel den Menschen, die sie liebt, eine Freude zu machen. Trotz einer guten Partnerschaft allein mit ihrem vierjährigen Kind zu leben. Sich ihren Traum von einer kleinen Bed-and-Breakfast-Pension zu erfüllen. Insgesamt läuft es darauf hinaus: Weniger Angst zu haben, offen zu sein, sich verletzlich zu zeigen  und mehr auf sein Herz zu hören.
Alexandra Reinwart beschreibt ihren Selbstversich sehr persönlich und bezieht dabei ihren Partner und ihre engsten Freundinnen und Freunde mitsamt deren Eigenheiten ein. Das liest sich leicht, zumal sie humorvoll und witzig schreibt.
Ich habe das Buch mit Vergnügen in einem Zug ausgelesen. Entsprechend dem Alter und Umfeld der Autorin ist es zwar eher eine Lektüre für Leserinnen 30+, aber es ist durchaus auch für ältere anregend. Das Experiment kann schließlich jede(r) machen. Und je weniger Jahre noch zu erwarten sind, desto wichtiger ist es.


Kleiner Nachtrag: Dazu gibt es jetzt auch ein illustriertes Büchlein als Arbeitsanleitung:  Unfuck your Life.52 Aufgaben, um endlich im Jetzt anzukommen. 112 Seiten.  9,99 €
Es ist  in 52 Wochen aufgeteilt. Jede enthält eine Aufgabe, die zunächst als Frage zur Selbsterkenntnis gestellt wird. Z.B. "Wollten Sie schon mal jemanden ansprechen und haben es nicht getan?". Die Aufgaben nehmen auf praktische Art die Erkenntnisse der Autorin auf und formulieren sie als persönliche Handlungsimpulse.   

Freitag, 25. Mai 2018

Schreib doch mal!


Tatijana Milovic: Rewrite your life. Schreibend sich selbst entdecken. 237 Seiten. 14.-€. Kailash 
Meine Lieblingsübung ist diese: Man nimmt ein Bonbon in den Mund. Dabei stellt man sich vor, es handele sich um eine Wunderpille. Die deaktiviert das Gehirnareal, in dem Gedanken des Scheiterns produziert werden und führt dazu, dass wir nie mehr versagen. Und nun sollen wir den Beipackzettel zu dieser innovativen Droge schreiben: Welche Folgen hat es, sich nie mehr als Loser zu fühlen? Wird das Leben dann bereichert oder eher eingeschränkt?
Tatijana Milovic, Redakteurin, Coach und Poetry-Slammerin, hat in ihrem Buch viele solcher fantasievollen Übungen zusammengestellt. Wer sich darauf einlässt, erfährt, dass Schreiben viel mehr ist als nur ein kreativer Ausdruck oder ein entlastendes Ventil. Es ist ein wirksames Werkzeug, um sich mit dem eigenen Selbstbild auseinander zusetzen.
Das Buch besteht aus zwei Teilen: Im ersten werden grundlegende Schreibstile wie Kurzgeschichte, Autobiografie oder Drama erläutert. Der zweite enthält eine „Reise in die Vergangenheit“, eine „Reise in die Gegenwart“ und eine „Reise in die Zukunft“. Auf diesen „Reisen“ gibt es dank zahlreicher Vorschläge spielerische und lustvoll eine Menge über sich zu entdecken. Zum Beispiel: Die wichtigsten Personen im eigenen Leben schriftlich zu porträtieren, ein Präventionsprogram über emotionale Viren zu entwerfen oder einen persönlichen Glücksbaum zu beschreiben.
Ein anregendes, charmantes Buch. Wer gerne schreibt, wird auf kreative Weise dazu gebracht, mehr über sich selbst zu erfahren, als mit bloßem Nachdenken möglich wäre. 
  
 

Mittwoch, 16. Mai 2018

All the lonely people

Manfred Spitzer: Einsamkeit. Die unerkannte Krankheit. Schmerzhaft. Ansteckend. Tödlich. 242 Seiten plus 65 Seiten Quellennachweis. 19,99 €. Droemer.

Seit einiger Zeit ist das Thema Einsamkeit in den Medien aktuell. Nun hat es auch der bekannte Psychiater Manfred Spitzer aufgenommen. Sein Buch habe ich aus besonderem Interesse gelesen: Mit meinem Ratgeber „Einsam. Vom mutigen Umgang mit einem schmerzhaften Gefühl“ habe ich schon vor vielen Jahren begonnen, das Tabu Einsamkeit anzusprechen. Doch während ich als Psychologin konkrete Möglichkeiten aufzeige, wie man diesen Zustand beendet, hat Spitzer einen anderen Ansatz. Er hat wissenschaftliche Untersuchungen zusammengetragen, die er erläutert. Dazu erklärt er im Vorwort: „Im vorliegenden Fall wird dem Leser das aufwendige Studium einiger Hundert wissenschaftlicher Arbeiten erspart. Das sich daran anschließende Nachdenken über die jeweils eigene konkrete Situation – was genau jetzt und hier zu tun ist – kann das Buch nicht ersetzen.“
Der Autor unterteilt sein Werk in 10 Kapitel: 1. Megatrend und Krankheit. 2. Einsamkeit tut weh. 3. Soziale Ansteckung. 4. Einsamkeit löst Stress aus. 5. Online (gem)einsam. 6. Einsamkeit als Krankheitsrisiko. 7. Todesursache Nr. 1. 8. „Du machst mich krank!“. 9. Was tun? 10. Einsamkeit suchen. Jedes enthält eine Anzahl Studien, überwiegend aus den USA.
Die wissenschaftlichen Ergebnisse wirken schockierend. Das ist einerseits heilsam, denn es führt unserer Gesellschaft vor Augen, welche dramatischen Folgen Einsamkeit hat. Spitzers großes Verdienst ist es, das seriös zu belegen und auf diese Weise wachzurütteln. Auf Betroffene dürfte die Lektüre allerdings eher einen deprimierenden Effekt haben. Als ob uns ein Arzt mitteilt: Sie haben einen tödlichen Tumor, aber um die Behandlung müssen Sie sich selbst kümmern. Hier bietet der Autor auf wenigen Seiten als Strategie nur „Geben“, „Helfen“ und „Natur“ an. Aber wie er selbst sagt, ist die Abhilfe ja auch nicht sein Thema. Einsamen LeserInnen möchte ich deshalb ergänzend mein Buch empfehlen. Nicht als Eigenwerbung, sondern aus Fürsorge.

Sonntag, 13. Mai 2018

Fortsetzung folgt

Haruki Murakami: Die Ermordung des Commendatore Teil 2 - Eine Metapher wandelt sich. 489 Seiten, 26.-€. Dumont

Den ersten Band habe ich begeistert besprochen, nachzulesen unter: http://wlodarek-rezensionen.blogspot.de/2018/04/magische-welt.html
Auch in diesem zweiten Teil findet sich die Verbindung von Realität und surrealen Ereignissen, die Murakami so virtuos beherrscht. Sein Protagonist durchbricht mal wieder Zeit und Raum. Auf der Suche nach dem Mädchen Marie, dass er porträtiert hat und das plötzlich verschwunden ist, landet er in unterirdischen Landschaften. Marie hat sich währenddessen in das Haus des reichen Herrn Menshiki geschlichen und sich dort mehrere Tage versteckt. Am Ende treffen sich Maler und Modell wieder in der Gegenwart.
Murakamis Sprache ist wie immer von eigenem Reiz, die Bilder der surrealen Unterwelt sind großartig. Man fühlt sich beim Lesen wie Alice im Wunderland. Aber – und das sage ich als Murakami-Fan nur äußerst ungern: Die Geschichte ist nicht besonders spannend. Trotzdem: Wer A sagt, muss auch B sagen. Wer den ersten Teil gelesen hat, mag den zweiten nicht verpassen.

Freitag, 4. Mai 2018

Einfluss nehmen

Marie Luise Ritter: Follow me! Machen, was man liebt und damit Geld verdienen – so wird man Influencer. 240 Seiten. 16,99 €. Redline Verlag

In den guten alten Zeiten vor der Digitalisierung sprach man von „Meinungsmachern“. Heute heißt es schicker „Influencer“ und betrifft außerdem einen neuen Berufszweig. Dazu gehören vor allem Mode- und Life-Style-Blogger. Manche von ihnen haben Tausende Follower, die sich gerne ihrem Lebensstil, ihrer Meinung und ihrem Rat anschließen. Weil zumindest die Stars der Szene außer Anerkennung mit Produktwerbung viel Geld verdienen, avanciert der Beruf zum Traum vieler junger Frauen (und Männer).
Marie Luise Ritter, Journalistin und erfolgreiche Bloggerin, beschreibt in ihrem Ratgeber das Berufsbildes des Influencers mit allen Facetten. Das Buch ist unterteilt in die Kapitel: Social Media. Beruf Influencer. Erfolgsfaktor Bloggen. Instagram. Kooperationen. Community-Management. Authentizität. Marke. Selbständigkeit. Tipps und Tricks für Erfolgreiches Influencer-Marketing.
Präzise und verständlich gibt die Autorin praktische Ratschläge aus ihrer reichen Erfahrung. Dabei fällt angenehm auf, dass sie nicht nur professionell, sondern auch verantwortungsbewusst ist. Sie macht sich Gedanken über ihre Wirkung, faire Kennzeichnung von Werbung und guten Umgang mit ihren Fans.
Ein unverzichtbares Handbuch für alle, die mit dem Influencer-Job liebäugeln. Aber auch LeserInnen, die sich über einen Trend informieren möchten, werden es spannend finden - zumal sich manches auch auf die non-digitale Selbstdarstellung übertragen lässt.  

Samstag, 28. April 2018

Woanders ist das Gras immer grüner

Verena Carl: Die Lichter unter uns. 317 Seiten. 20.- €. S.Fischer
Anna und Jo machen mit ihren Kindern Urlaub in Taormina auf Siziilien.Es handelt sich um eine ganz normale Familie. Die 10jährigen Judith und der 6jährigen Bruno nehmen ihre Eltern mit kindlichem Egoismus voll in Anspruch, die Eltern sind eher ein eingespieltes Team als ein Liebespaar, das Ferienbudget ist knapp. Vor Jahren haben Anna und Jo auf der Insel ihre Flitterwochen verbracht, damals allerdings luxuriös in der „Villa Mare“.
Am Strand trifft Anna zufällig auf die Reichen und Schönen: Alexander, Mitte 50, seine junge Geliebte Zoe und sein erwachsener Sohn Florian scheinen ein sorgloses, glamouröses Leben zu führen. Doch Anna sieht nur den schönen Schein. Tatsächlich ist Alexander krank und Zoe betrügt ihn mit Florian. Annas projiziert ihre Sehnsucht nach einem anderen Leben auf Alexander, den sie über ihre Kinder auch tatsächlich kennenlernt. Erst als ihre Tochter Judith in Lebensgefahr gerät, erkennt Anna, was ihr ihre Familie bedeutet. Und Alexander, der in die Rettung Judiths involviert ist, muss sich der Wahrheit über sich und seine Familienverhältnisse stellen.
Mit einer literarischen Sprache, die Bilder im Kopf entstehen lässt, beschreibt Verena Carl das Verhalten der Personen, ihre Gefühle, Träume und Lebenslügen. Ein vielschichtiger, psychologisch spannender Roman, dem ich ganz viele Leserinnen und Leser wünsche.

Dienstag, 24. April 2018

Liebenswerter Lebenslauf

Heike Pfaller, Valerio Vidali: Hundert. Was du im Leben lernen wirst. 100 Seiten, 20.- €
Ich muss gestehen, bevor ich das Buch aufschlug, war ich etwas skeptisch: Eine Einteilung, was man als Mensch Jahr für Jahr lernt? Das würde bei mir bestimmt nicht greifen. Schließlich habe ich schon häufig festgestellt, dass ich nicht in ein festes Zeitschema passe.  Aber meine Sorge, es handele sich um eine strikte Tabelle von der Wiege bis zur Bahre war unbegründet. Heike Fallers Buch hat einen viel charmanteren und liebenswerteren Ansatz: Sie hat viele Menschen unterschiedlichen Alters und Nationalität befragt, was sie in bestimmten Phasen ihres Lebens erfahren haben. Das hat sie dann auf jeweils einen Kernsatz pro Jahr verdichtet. Es beginnt mit der Geburt: "0 - Du lächelst, zum ersten Mal in deinem Leben. Und die Anderen lächeln zurück", und endet mit „99 - Hast Du Irgendwas im Leben gelernt?". Valerio Vidali hat die Lebenserfahrungen auf jeder Seite kongenial und fantasievoll illustriert. Herausgekommen ist ein zauberhaftes Buch, humorvoll und berührend.
Ein wunderbares Geschenk für Freunde und eine Inspiration, einmal über die eigene Entwicklung nachzudenken..