Dienstag, 25. September 2018

Lass los!

Mooji: Weiter als Himmel, größer als Raum. Das Buch der inneren Befreiung. 308 Seiten. 19,99 €. O.W.Barth Verlag

Mooji, ursprünglich Anthony Paul Moo-Young, wurde 1954 in Jamaika geboren und wuchs in London auf. Er arbeitete dort als Kunstlehrer, bis er auf einer Indienreise seinen Guru Sri H.W.L Poonja traf. Die Begegnung veränderte ihn zutiefst. Heute ist Mooji selbst ein bekannter  spiritueller Meister. In seinen Satsangs (Zusammenkünfte zur Belehrung) regt er seine Zuhörer beständig dazu an, die Frage nach ihrer eigentlichen Natur zu stellen. seine Botschaft: Unser unvergängliches Selbst ist bereits in uns. Es ist nur überlagert von unserer persönlichen und kulturellen Konditionierung. Die Wahrheit zu erkennen, bedeutet, dieses Selbst zu erkennen und das übernommene Ich loszulassen.
In „Weiter als Himmel, größer als Raum“ haben seine Anhänger Moojis Lehrreden sinnvoll zusammengestellt. Entstanden ist ein Buch, das eine klare Anleitung zu einem friedlichen und freudevollen Leben gibt. Besonders angesprochen hat mich dabei, dass Mooji nicht Askese predigt. Es geht vielmehr darum, im täglichen Leben die geistige Anhaftung loszulassen und sich nicht mit dem zu identifizieren, was vergänglich ist.
Wer auf der spirituellen Suche ist, findet in diesem Buch Inspiration für tiefere Selbsterkenntnis.    

Donnerstag, 20. September 2018

Gib mir einen Hunderter!

Jonas Jonasson: der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten. 443 Seiten. 20.- € . C.Bertelsmann

Das Buch „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ habe ich mit großem Vergnügen gelesen. Nun gibt es eine Fortsetzung mit dem inzwischen einhundertjährigen Allan Karlsson. Auch diesmal verquickt sein Schöpfer den schlitzohrigen Alten mit der großen Weltpolitik. Waren es beim ersten Mal Stalin, Mao Tse-tung und Kim Il-sung, denen er ein Schnippchen schlug, so sind es diesmal Kim-Yong-Un, Trump. Putin und Angela Merkel. Die Schauplätze wechseln zwischen Nordkorea, USA, Schweden, Dänemark, Deutschland und Afrika. Es geht um Uran als Grundstoff für eine nordkoreanische Atombombe, das Allan und seinem Freund Julius zufällig in die Hände fällt. Natürlich gibt es auch wieder einen ebenso tumben wie bösartigen Verfolger, diesmal ist es ein Neonazi.
Die gesamten Verwicklungen hier zu beschreiben würde den Rahmen sprengen. Jedenfalls geht alles gut aus. Und dazwischen gibt es viele lustige Szenen. Jonasson hat ein Schreibhändchen für Komik, ich musste häufig leise vor mich hinlachen. Auch die Beschreibung des lebenden politischen Personals ist witzig, kommt aber für meinen Geschmack zu kurz und wirkt deshalb klischeehaft. Davon abgesehen ist dank der überbordenden Fantasie des Autos auch dieses Buch ein Lese-Spaß, der gut von den echten Dramen dieser Welt ablenkt.

Freitag, 14. September 2018

Leselieblinge

Jörg Magenau: Bestseller: Bücher, die wir liebten - und was sie über uns verraten. 22.- € Hoffmann und Campe

Als Autorin von inzwischen 13 Büchern weiß ich so gut wie jeder Verlag: Bestseller kann man nicht machen. Bei meinem Erstling „Mich übersieht keiner mehr. Größere Ausstrahlung gewinnen“ ist es mir tatsächlich einfach passiert. Aber ob nun schreibend oder lesend, man wüsste doch gerne, wie so etwas zustande kommt. 
In diesem Buch unternimmt der Autor und Literaturkritiker Jörg Magenau den Versuch, das Phänomen der vielverkauften Lektüre zu entschlüsseln. Zunächst erfährt man Wissenswertes über die Hintergründe, etwa wie die Berechnung der Verkäufe zustande kommt und was Werbung und Prominenz der AutorInnen bewirken. Der Hauptpart besteht jedoch in einer Reise durch 60 Jahre deutschsprachiger und internationaler Literatur. Dabei vertritt Magenau die These, dass Bestseller häufig Ausdruck eines aktuellen gesellschaftlichen Bedürfnisses sind und oft auch den Zeitgeist widerspiegelnden. Zum Beleg nimmt er sich Bestseller von der „Blechtrommel“ bis zum „Geheimen Leben der Bäume“ vor. Jedem seiner ausgesuchten Werke widmet er eine ausführliche Beschreibung und erläutert, warum es auf die berühmte Liste gekommen ist. Das ist manchmal tiefgründig, manchmal bleibt es etwas oberflächlich in zu viel Inhaltsangabe stecken. Doch insgesamt schärft Magenau den Blick dafür, warum Bücher zum Bestseller werden konnten und was das über uns, ihre LeserInnen, aussagt.
Ein lesenswertes und informatives Buch. Es regt auch dazu an, einmal die eigenen Lieblingsbücher zu betrachten und zu überlegen, was sie über uns verraten.

Montag, 10. September 2018

Kindheit in New Mexico

Milena Moser: Land der Söhne. 415 Seiten. 24.- €. Nagel & Kimche
Milena Mosers persönliche Geschichten wie „Hinter diesen blauen Bergen“ habe ich gerne gelesen. 2015 ist die Schweizer Schriftstellerin nach Santa Fé ausgewandert. In New Mexiko spielt nun auch ihr großer Familienroman.  
Die Geschichte spannt sich über drei Generationen. Protagonisten sind Luigi (Lou), sein Sohn Giovanni (Giò) und dessen Tochter Sofia. Der Roman beginnt mit einer Zugfahrt. Gìo reist mit der zwölfjährigen Sofia zu einem der Orte, an dem er eine besondere Zeit seiner Kindheit verbracht hat. Sein Vater Luigi, ist gestorben und es ist an der Zeit sich der Vergangenheit zu stellen.
Wir erfahren nun abwechselnd die Geschichte von Luigi und Giovanni:In den 1940iger Jahren reist Luigi mit seiner Mutter in die USA. Der Vater will ursprünglich nachkommen, tut es aber nicht. Die Mutter hat bald einen neuen Partner und schiebt Luigi in eine Outdoor School ab, in der er Missbrauch erlebt. Später wird er zu einem einflussreichen Filmproduzenten in Hollywood. Er heiratet Tara. Die Ehe scheitert und sie zieht mit dem gemeinsamen Sohn Giovanni in eine Hippiekommune. Nur an freier Liebe und Selbsterfahrung interessiert kümmert sie sich kaum um ihn. Eines Tages ist sie verschwunden und Giovanni bleibt allein zurück. Als sich die Kommune auflöst, wird er im benachbarten Pueblo abgegeben. Dort lebt er bei der Familie Ortiz, bis ihn sein Vater zwingt, zu ihm zu ziehen. Das Verhältnis der beiden ist angespannt. Schließlich verlässt der homosexuelle Gíovanni seinen Vater. Er wird Filmarchivar, nimmt den Namen Ortiz an und heiratet den Friseur Santiago. Mit ihm zieht er die von einer Freundin geborene gemeinsame Tochter Sofia groß.
Milena Moser entfaltet diese Familiengeschichte einem ruhigen,  beschreibenden Stil. Von daher darf man keinen spannenden Roman im üblichen Sinne erwarten, das Drama liegt vielmehr in den Erfahrungen, die die Protagonisten machen. Ein gutes Buch für geduldige Leser, die bereit sind, sich auf die problematische Kindheiten der „Söhne“ einzulassen.

Donnerstag, 6. September 2018

Freiheit statt Kontrollwahn

Dorothea Assig, Dorothee Echter: Freiheit für Manager. Wie Kontrollwahn den Unternehmenserfolg verhindert. 268 Seiten. 34,95 €, Campus Verlag

„Ambition“, das erste Buch des Autorinnen-Duos, habe ich bereits mit Begeisterung gelesen. Darin geht es um den Quantensprung vom mittleren Management zur "Oberliga". Er gelingt erst wirklich, wenn der Schwerpunkt nicht mehr allein auf der eigenen Leistung liegt, sondern außerdem Know-how für eine gute persönliche Verbindung zu Gleichrangigen anderer Bereiche, die sogenannte „Community-Kompetenz“, entwickelt wird. Treibende Kraft ist dabei die Ambition, (von lat. ambitio, Ehrgeiz) im Sinne eines höheren Strebens. Es geht darum, Ideen zu verwirklichen, für die man brennt, mit denen man die Welt verbessern und bereichern möchte.
Dieses Buch nun ist eine Fortsetzung, aber durchaus eigenständig lesbar. Assig und Echter sprechen darin weniger den einzelnen Manager oder die Managerin an (obwohl das auch nicht zu kurz kommt), sondern hinterfragen das gesamte System. Während ihrer langjährigen Erfahrung als Coaches von Top-ManagerInnen haben sie immer wieder festgestellt, wie sehr übermäßige Kontrolle Entfaltung verhindert. Auf der Basis ihrer Forschung haben sie Tools für ein „Ambition Management“ entwickelt, das ohne Tests, Assessment Centers, Rankings und andere strikte Kontrollmechanismen auskommt. Stattdessen wird den Führungskräften Freiheit zur Entfaltung gewährt. Ein bedeutsamer Schritt ist dabei, die eigene Größe zu erkennen und auszuleben. Die hat nichts mit Überheblichkeit zu tun, sondern ist das Bewusstsein, mit dem eigenen Talent und den individuellen Fähigkeiten viel bewirken zu können.
Das Buch ist ein im wahrsten Sinne des Wortes ambitionierter Leitfaden für das obere Management und es ist sehr zu wünschen, dass möglichst viele Menschen in Führungspositionen seine Botschaft verinnerlichen. Doch auch für LeserInnen in weniger prominenten Arbeitsverhältnissen dürfte es interessant sein, denn die von den Autorinnen entwickelten Werkzeuge inspirieren zum Umdenken in Bezug auf die eigene berufliche Situation.