Sonntag, 2. Dezember 2018

Wohlfühl-Lektüre

Laura Malina Seiler: Schön, dass es dich gibt. Wie du mit deinem Geschenk für die Welt ein außergewöhnliches Leben erschaffst. 217 Seiten. 16,99.- €. Rowohlt Polaris

Wohl jeder Mensch sehnt sich danach, von seiner Umgebung angenommen zu werden. „Schön, dass es dich gibt“ ist dazu ein passender Satz. Leider hört man ihn viel selten. Diese Lücke füllt Laura  Malina Seiler, 31, auf vielfältige Weise überzeugend und mit Begeisterung. Das kommt an: Sie hat 6 Millionen Follower, die ihre Podcasts hören, Ihre Videos sehen oder ihr auf anderen sozialen Kanälen folgen. Und deren innere Suche sie auch mit Büchern wie diesem ergänzt. Dabei sprechen die Themen der Kapitel für sich: „Hör auf dein Herz“. „Stärke deine Schöpferkraft“. „Warum du spirituell und reich sein darfst“. „Die Higher-Self-Deklaration für dein Leben“. „Erschaffe in Einklang mit den universellen Gesetzen.“. „Lass dein Licht scheinen“. Zu jedem Kapitel gibt es im Text farbig abgesetzt Übungen, etwa „Deine Lebenslinie“ oder „Meditation für ein erfülltes Geld-Mindset“.
Wer sich mit esoterischen Themen wie Affirmationen, Visualisierung oder dem Gesetz der Anziehungskraft beschäftigt hat, findet in dem Buch nichts Neues. Der Zauber besteht in der Person der Autorin, die an ihren eigenen Erfahrungen teilnehmen lässt und sich überzeugend als Testimonial für ein wunderbares Leben anbietet.
Ein aufbauendes und motivierendes Buch vor allem für junge Menschen, die sich unsicher fühlen und sich ein gleichaltriges Vorbild als Unterstützung wünschen. Allerdings: Konkrete Ratschläge, wie man das außergewöhnliche Leben, das man verdient, erschafft, darf man nicht erwarten. Die bleiben PsychologInnen wie mir überlassen.  
 






Dienstag, 20. November 2018

Obamas Ameisen

Beck Dorey-Stein: Good Morning, Mr. President. Meine Jahre mit Obama im Weißen Haus. 462 Seiten. 12,99 €. Rororo

Unter dem Titel vermutete ich die Memoiren einer hochrangigen Mitarbeiterin, mit vielen Anekdoten über Präsident Obama. Falsch gedacht. Beck Dorey-Stein ist Stenographin und nur ein kleines Rädchen im Getriebe des Weißen Hauses. Aber gerade diese Position macht ihre Aufzeichnungen so interessant. Man erfährt, wie aufwändig die Organisation der präsidialen Auftritte ist und wie viele Menschen für einen reibungslosen Ablauf nötig sind: Piloten der Airforce One, Polizisten. FlugbegleiterInnen, Botschaftsangehörige, Butler, Hausmeister, Handwerker, Bodyguards und Wahlhelfer. Zitat der Autorin: „Keiner von ihnen wird auf einer Kundgebung je erwähnt. Wenn die Scheinwerfer angehen und die Musik erklingt, verschwinden die Ameisen von der Bildfläche“. Sie ist selbst eine dieser „Ameisen“ und beschreibt ihren Job vom ersten Arbeitstag bis zum Einzug Donald Trumps ins Weiße Haus. Dazu gehören Reisen im In- und Ausland, Stress, Jetlag, Feiern in Bars. Der gesamte Tross ist immer mit dem Präsidenten unterwegs und bleibt dabei möglichst unsichtbar. Mit den Beschreibungen ihrer beruflichen Erfahrungen verbindet die Autorin die ihres Liebeslebens, insbesondere  ihre Affäre mit dem Womanizer Jason, einem wichtigen Mitarbeiter Obamas.
Obwohl der Insiderbericht auch etwas kürzer hätte ausfallen dürfen und man sich fragt, wie eine Frau in puncto Männer nur so naiv sein kann, ist das Buch durchaus lesenswert. Es erlaubt einen interessanten Blick hinter die Kulissen der großen Politik, wie man ihn selten bekommt. 

Samstag, 17. November 2018

Programmier dich neu

Thomas Hohensee: Reset. Bei dir ist nichts kaputt, du bist nur scheiße programmiert. 189 Seiten. 16.- €. Gütersloher Verlagshaus.
Ich muss gestehen, der Untertitel hat mich zunächst geschockt. Außerdem kommt das S-Wort im Text noch häufig vor und als visueller Mensch sehe ich dann jedes Mal braune Häufchen. „Du bist falsch programmiert“ hätte mir besser gefallen. Doch man gewöhnt sich, und dann ist das Buch richtig gut. Thomas Hohensee beschreibt unser Gehirn als einen Computer. Ursprünglich ist unsere „Festplatte“ völlig in Ordnung – als Kinder sind wir mit allem Talent zum Glücklichsein zur Welt gekommen. Doch dann hat man unseren „PC“ mit hinderlicher Software programmiert. Die läuft bis in die Gegenwart und hindert uns daran, glücklich und erfolgreich zu sein. Die häufigsten schädlichen Programme führt der Autor der Reihe nach auf. Und tatsächlich, bei den meisten erkennt man sich wieder, etwa: „Das Leben muss immer leicht sein.“ „Ich muss von allen geliebt werden“, „Ich muss in jeder Hinsicht leistungsfähig sein“ oder „Alles hat so zu sein wie ich will.“ Wurde eines oder mehrere dieser Programme auf der eigenen Festplatte installiert, gibt es Hilfe in den Kapiteln „Reset“, „Update“, „Neustart“ und „Support“. Hinter der Diktion aus der Computersprache verbergen sich handfeste und anwendbare Tipps, wie wir alte Muster auflösen und umdenken können. Insofern ist dies wieder ein typisches Hohensee-Buch: Gut zu lesen, verständlich und inspirierend. Also keineswegs scheiße. 

Donnerstag, 15. November 2018

Geheimnisvolles Tanger

Christine Mangan: Nacht über Tanger. 367 Seiten. 22.- €. Blessing
Tanger 1956. Die junge, sensible Amerikanerin Alice Shipley ist ihrem Ehemann John ins spätkoloniale Marokko gefolgt. Im Gegensatz zu John fühlt sie sich in der Stadt unwohl und verlässt nur selten ihre Wohnung. Eines Tages steht unerwartet Lucy Mason vor ihrer Tür. Sie und Alice waren am College in England unzertrennlich. Die furchtlose, selbständige Lucy trat vehement als Beschützerin der zarten, introvertierten Alice auf, bis ein mysteriöser Autounfall die enge Beziehung beendete. Seitdem haben die beiden sich nicht mehr gesehen. Lucy nistet sich als Gast in Alice Wohnung ein und tut alles, um ihre ungeteilte Zuneigung zurückzugewinnen. Dabei ist ihr der Ehemann im Weg…  
Der Roman vibriert vor unterschwelliger Spannung. Dabei wird das Geschehen mit zahlreichen Rückblenden aus der Sicht beider Frauen erzählt und gibt von Anfang an Rätsel auf. Erst nach und nach wird klar, dass hier eine Psychopathin ihr perfides Spiel treibt Katastrophe oder Happyend? Das bleibt bis zum Schluss offen. Außer der raffinierten Erzählform entsteht ein Teil der Faszination durch das Lokalkolorit. Die unüberschaubare, für Fremde gefährliche Stadt Tanger ist der exotische Hintergrund, vor dem sich die Handlung entfaltet.
Ein spannender Psychothriller, den ich nicht aus der Hand legen konnte.
Für Liebhaberinnen dieses Genres ist er gewiss ein Leckerbissen.
P.S.: Ein Extralob gibt es von mir für das attraktive Titelbild, das an Ingrid Bergmann in „Casablanca“ erinnert.

Dienstag, 6. November 2018

Selbstständig

Stacy Kravetz: She´s so Boss. Der Businessguide für deinen großen Traum. 236 Seiten. 18.- € , Ariston

Als ich vor Jahren mein erstes Buch geschrieben hatte, hörte ich oft von anderen Frauen: „Toll, ich sollte auch mal ein Buch schreiben.“ Mit heimlichem Lächeln dachte ich: „Ja, Mädels, macht das mal…“. Eins hatte ich nämlich gelernt: Aus dem Stand ein Projekt zu starten, welches auch immer, erfordert außer Willen und Disziplin eine Menge Know-how. Damals wie heute ist es das Gleiche: Viele junge Frauen haben den Traum, sich selbständig zu machen. Etwa ein Online-Magazin zu starten, ein Unternehmen zu gründen, ihre künstlerische Leidenschaft zu Geld zu machen. Aber dann kapitulieren sie vor den ganz realen Problemen. Hier gibt die Journalistin Stacy Kravetz beste Starthilfe. Sie zeigt praxisnah und kompetent, was man braucht, um erfolgreich seine eigene Chefin zu sein. Dabei wird jeder Bereich angesprochen: Wie man Ideen findet, die Marke aufbaut, Marktforschung betreibt, Kunden akquiriert, soziale Medien beherrscht, Räume findet, Business- und Jahrespläne macht und die Finanzen regelt. Dazu kommen junge, erfolgreiche Gründerinnen zu Wort und es gibt jede Menge Tipps.
Das Buch ist verständlich und locker geschrieben. Besonders gefällt mir, dass neben allem Realismus immer ein positiver Ton mitschwingt, der Mut macht, den eigenen Weg zu gehen. Für junge Frauen in den Startlöchern und für alte Häsinnen zu Auffrischung. 

Freitag, 2. November 2018

Genau das Richtige

Marlene Soerensen: Woher hat sie das? Modelieblinge für jeden Anlass. 178 Seiten mit Abbildungen. 29,95 €, Callwey

Ganz klar, ich liebe Mode und verpasse selten eine Ausgabe der Vogue. Dabei interessiert mich – kein Wunder – besonders der psychologische Aspekt: Was macht die Kleidung mit einem? Wie kann man sie für seine Ziele einsetzen? Und wie gelingt optische Anpassung, ohne dass man sich verkleidet? In der Modejournalistin Marlene Soerensen habe ich da wohl eine Seelenverwandte gefunden. Sie gibt auf alle Fragen kundig, charmant und persönlich Antwort. Außerdem hat sie zahlreiche Stilikonen interviewt, die auf verschiedenen Gebieten modisch kompetent sind, wie etwa die Schauspielerin Jasmin Gerat oder das Model Eva Padberg.
Der Aufbau des Buches ist sinnvoll und übersichtlich: „Wenn der erste Eindruck zählt“. „Wenn es praktisch sein muss, aber nicht so aussehen soll“. „Wenn es etwas zu feiern gibt“. „Wenn ein Tag alles bringen kann“. „Die Extras“. Dabei werden die Aussagen der modischen Expertinnen jeweils optisch mit einigen Foto-Beispielen belegt. Außerdem gibt es in übersichtlicher Kurzform viele praktische Tipps für die speziellen Anlässe.
Das Buch ist nicht nur inspirierend, sondern auch so informativ, dass ich es mit einem Stift in der Hand gelesen habe, um wichtige Stellen zu markieren (was ich sonst bei Bildbänden nie tue). Ich empfehle es unbedingt für Frauen, die gut und passend angezogen sein möchten.Nach der Lektüre wird dann vielleicht auch manche(r) in ihrer Umgebung bewundernd fragen: „Woher hat sie das?“ Stil eben .

Montag, 29. Oktober 2018

Innere Schönheit

Carmen Maria Poller: Glücklich, schön, selbstbewusst. 209 Seiten.14,99 € , Trias
Wer hätte diese drei Eigenschaften nicht gerne? Ich war neugierig, auf welche Weise sie mir die Autorin vermitteln möchte. Bitte nicht wieder das bekannte „Liebe dich selbst“ oder „Sport und gesunde Ernährung“. Tatsächlich hat Carmen Maria Poller einen anderen, genial einfachen Ansatz. Er beruht auf dem Spruch „Wahre Schönheit kommt von innen“. Damit sind keineswegs nur innere Werte gemeint. Vielmehr gilt: Wer sich gut fühlt, sieht auch gut aus. (was wir spätestens feststellen, wenn wir verliebt sind). Dazu gibt Poller Inspiration und Tipps. Von Hause aus ist sie Coach und hat sich auf Facereading, also die Ausdeutung von Gesichtszügen, spezialisiert. Dem widmet sie einen großen Teil des Buches zur Selbstdiagnose. Zunächst war ich skeptisch. In jungen Jahren hatte ich nämlich schlechte Erfahrungen mit einem Anhänger von Carl Huter, dem Begründer der Physiognomik, gemacht. Er vermaß auf dem Podium Gesichter und leitete daraus feststehende Charaktermerkmale ab. Doch meine Sorge war unbegründet. Carmen Poller gibt behutsam und ohne dogmatisch zu sein Impulse, wie man das eigene Gesicht erforschen kann. Dabei beruft sie sich auch auf die chinesische Medizin. Im größeren Teil des Buches befasst sie sich dann damit, wie wir Stress und negative Gefühle abbauen und positive aufbauen können, um voller Energie zu strahlen.
Das Buch ist inspirierend und sehr entspannend im Blick auf die eigenen Mängel. Es überzeugt, dass Wohlgefühl und Sinnlichkeit die beste äußere „Selbstoptimierung“ sind.