Sonntag, 25. September 2016

Stilvoll



Ralf Eibl, Fotos von Wolfgang Stahr: Stilikonen unserer Zeit. Wohn- und Lebensgeschichten besonderer Frauen. 190 Seiten. Callwey 39,99€
Bildbänden mit Wohnungseinrichtungen kann ich einfach nicht widerstehen, das Gleiche gilt für Stilfibeln. So stehen in meinem Bücherregal Bände über Hotels in Asien neben den Tipps schicker Pariserinnen. In diesem Buch soll sich nun beides verbinden: Wohnen und Stilikonen. Es erlaubt einen Blick in die Räume von 20 (erfolg-)-reichen und prominenten Frauen, die in Kunsthandel, Kultur, Mode, Design, Architektur oder Medien tätig sind. Einige Namen sind allseits bekannt, wie Katja Eichinger, Gloria v. Thurn und Taxis, Ute Lemper, andere wahrscheinlich eher in ihren Kreisen: Michelle Elie Meiré, Ivana Serge, Marie-Christine Dreyfus, Karen Boros, Dorothee Schumacher, Delia Fischer, Jane Kolb, Annabelle Selldorf, Melanie Swarovski, Claudia Hornemann, Katrin Bellinger, Lisa Zeitz, Sabine Parenti, Carina Villinger, Ellen Piper-Quittenbaum, Gesa Hansen, Jessica Weiss.
Ralf Eibl stellt die Ladies mit flüssiger Feder vor. Ein wenig aus der Vita, etwas Lokalkolorit, einige Originaltöne. Das liest sich glatt, gibt aber doch einen Überblick. Vor allem ergänzt es die großformatigen Fotos der Interieurs. Interessant sind die allemal, aber geschmacklich dürften sich an den Einrichtungen die Geister scheiden: ob elegant und originell oder altmodisch und kitschig. Da muss sich jede(r) selbst ein Bild machen. Aber das ist ja gerade der schöne Effekt dieses Bildbandes.      


Samstag, 17. September 2016

Grüße aus dem Jenseits



Mike Dooley: 10 Dinge, über die Sie nachdenken sollten, bevor Sie sterben. 267 Seiten. 19,99 €. Knaur Menssana
Seit ich vor Jahren Mike Dooleys „Grüße vom Universum“ gelesen habe, bin ich sein Fan. Auch wenn so manche der reinen Wissenschaft verpflichtete Psychologen abwehren: „Was der Mann schreibt, ist doch pure Esoterik!“. Ja, ist es. Dooleys Philosophie lautet: Wir sind alle göttlichen Ursprungs und damit Schöpfer unserer Welt. Das Universum gibt uns in seiner unendlichen Liebe genau das, was wir uns vorstellen. Wobei die Kernaussage lautet: Gedanken werden Dinge. In diesem Buch geht er noch einen Schritt weiter, nämlich ins Jenseits: Nach dem Tod ist es nicht vorbei, wir setzen die persönliche Entwicklung unserer Seele mit erweitertem Bewusstsein fort. Dazu bringt Dooley fantasievoll „Botschaften“ von Verstorbenen, die aus ihrer Welt mit ihren noch lebenden Lieben sprechen.
Das könnte absurd sein, wäre nicht Mike Dooley der Autor. Er vermittelt seine Weltsicht voller Herz und mit viel Humor. Bei ihm klingt es eben gar nicht abgehoben, sondern pragmatisch und lebenstauglich. Sich darauf einzulassen, lohnt sich. Auch wenn niemand beweisen kann, dass es tatsächlich nach dem Tod weitergeht, gibt dieser spezielle Blick auf das Leben und Sterben eine hilfreiche Anleitung zum Glücklichsein im Diesseits.   

Sonntag, 4. September 2016

Nein heißt nicht immer Nein



Jia Jiang: Wie ich meine Angst vor Zurückweisung überwand und unbesiegbar wurde. 235 Seiten. 14,90 €. DTV
Jia Jiang, in Peking aufgewachsen, hat als Jugendlicher einen Traum: Er will Unternehmer werden, Erfinder, am liebsten der nächste Bill Gates. Also geht er in die USA, studiert erfolgreich und arbeitet zunächst als Angestellter im Marketing. Er heiratet, wird Vater. Doch sein Traum lässt ihn nicht los. Unterstützt von seiner Frau Tracy kündigt er und macht sich mit einem Software-Team selbständig. Damit beginnt eine Reihe von Enttäuschungen, etwa dass Investoren abspringen. Jia Jing leidet sehr unter den Zurückweisungen. Er erkennt, dass er sich in diesem Punkt abhärten muss, wenn er erfolgreich sein will. Im Internet stößt er auf den Tipp zu eine „Ablehnungstherapie“ und beschließt, ein Experiment zu machen: Er wird hundert Tage lang mit ungewöhnlichen Anfragen Ablehnung provozieren und seine Erfahrungen per Video in einem Blog dokumentieren. So bittet er einen Hausbesitzer, in seinem Garten Fußball spielen zu dürfen oder wünscht sich von einer Bäckerin fünf Donuts wie olympische Ringe. Durch sein Experiment lernt er nicht nur viel über sich selbst und die psychologischen Hintergründe von Ablehnung, sondern hat auch noch einen Riesenerfolg mit seinem Blog. Er wird weithin bekannt, tritt im Fernsehen auf, hält Vorträge. Sein Wissen über Zurückweisung weiterzugeben, wird für ihn zur neuen Aufgabe und Mission. Auf diese Weise erfüllt sich sein Traum, Unternehmer zu werden, schließlich auf unerwartetem Weg.
Der Autor schreibt berührend ehrlich über seine Empfindungen und vermittelt gleichzeitig viele nützliche Informationen. Auch wenn man das Experiment nicht unbedingt nachmachen möchte, das Buch inspiriert zum Nachdenken über den eigenen Umgang mit Zurückweisungen und macht Mut, sich von Ablehnung nicht länger an der Verwirklichung eines Traumes hindern zu lassen.         

Dienstag, 30. August 2016

Leukämie und Liebe



Catharina Junk: Auf Null. 19,95 €, 400 Seiten, Kindler Verlag
Wenn ein älterer Mensch Krebs hat, ist das furchtbar. Doch besonders schlimm ist es, wenn die Krankheit junge Menschen befällt, die eigentlich noch das Leben vor sich haben. Darüber habe ich schon einiges gelesen, etwa „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ oder „Heute bin ich blond“. Gemeinsam ist diesen Büchern eine Mischung aus Rebellion, Verzweiflung, Galgenhumor und Sehnsucht nach Leben und Liebe. Das findet sich auch im Buch von Catharina Junk.  
Die 20jährige Nina ist nach überstandener Leukämie als gesund aus dem Krankenhaus entlassen worden und wohnt wieder bei ihren Eltern in einem kleinen Ort bei Münster. Dort verliebt sie sich in Erik, weicht ihm aber aus Angst vor der Zukunft immer wieder aus. Außer der Liebesgeschichte geht es auch noch um wahre Freundschaft und die Familie. In Rückblenden beschreibt die Autorin die Erlebnisse im Krankenhaus. So hat man gleichzeitig Einblick in die Vergangenheit und die Gegenwart. Das ist gekonnt und hat Spannung, die Personen und ihre Gefühle sind überzeugend. Was mich allerdings etwas gestört hat –  ganz subjektiv, ich bin schließlich Psychologin -, ist die seitenlange karikierende Beschreibung von Menschen, die dem Krebs nicht mit schulmedizinischen Methoden begegnen. Eine Esoterikerin schwafelt über die Macht der Seele, eine fundamentalistische Christengruppe will nur mit Gebeten heilen. Klar, so etwas gibt es, leider. Dass wissenschaftlich belegt ist, welchen Einfluss psychische Befindlichkeit und der Glaube haben können, blendet diese Einseitigkeit komplett aus. Aber nun gut, das ist die Freiheit der Autorin und liest sich durchaus amüsant.
Catharina Junk ist es gelungen, über ein schweres Thema leicht zu schreiben, authentisch, mit viel Humor und ohne falsche Romantik. Lesenswert.    

Donnerstag, 18. August 2016

Ein Schlückchen Prosecco



Hermann Scherer: Fokus! Provokative Ideen für Menschen, die was erreichen wollen. 282 Seiten. 19,95 €. Campus Verlag.
Kann man ein Buch gleichzeitig schlecht und gut finden? Man kann:
Obwohl das Buch den Titel „Fokus“ trägt, schreibt der Autor alles andere als fokussiert. Stattdessen hüpft er munter von Thema zu Thema und schert sich kaum um die Kapitelüberschriften, die er sich doch offenbar selbst gesetzt hat. Seine klischeehaften Gedanken, die er gerne als Aphorismen herausstellt, garniert er mit eher irrelevanten persönlichen Erfahrungen wie das dramatische Ohrlochstechen seiner Tochter oder dass er beim Wickeln seines kleinen Sohnes nicht aufgepasst hat. Hinzu kommt, dass er kräftig die Werbetrommel für sich rührt, etwa mit der Schilderung eines New-York-Besuches seiner Coaching-Gruppe. Kurz und gut: Wer logisch denkt, Ansprüche an einen Ratgeber stellt und konkrete Tipps erwartet, für den ist das krudes Zeug. Da nutzt auch die schöne und edle Aufmachung des Buches nichts.
Warum es das Buch trotzdem auf meinen Rezensionsblog geschafft hat, obwohl ich sonst nur über Bücher schreibe, die mich komplett begeistern? Weil Hermann Scherer authentisch ist und offenbar lebt, was er verkündet. Er ist ein Rebell mit der Botschaft: Lebe ein abenteuerliches Leben. Und diese Botschaft schimmert überzeugend durch sein verbales Hin- und-Her. Wer unterhalten sein will und Aufmunterung wie ein Glas Prosecco liebt, wird an dem Buch seinen Spaß haben.