Dienstag, 10. Januar 2017

Schmerzhaft



Antoine Leiris: Meinen Hass bekommt Ihr nicht. Blanvalet. 12.-€
Im November 2016 wurden dreißig Menschen im Theater Bataclan in Paris von Terroristen ermordet, darunter auch Hélène, die Frau des Journalisten Antoine Leiris. Zwei Tage später schrieb er einen Brief an die Terroristen, in denen er ihnen mitteilte, dass sie ihr Ziel, mit ihrer grausamen Tat Hass in sein Herz zu säen, nicht erreichen: „Nein, ich werde euch nicht das Geschenk machen, euch zu hassen….Auf den Hass mit Wut zu antworten würde bedeuten, derselben Ignoranz nachzugehen, die euch zu dem gemacht hat, was ihr seid.“ Er veröffentlichte seine Mitteilung auf Facebook. Millionen Menschen auf der ganzen Welt lasen sie und nahmen Anteil am Schicksal dieses Mannes, der mit seinem 17 Monate alten Sohn Melvil allein zurückgeblieben ist.
Aus dem Facebook-Eintrag ist das Buch entstanden. Darin geht es nicht um den Terroranschlag oder politische Analysen. Vielmehr ist es ein persönliches Erlebnisprotokoll der zwei Wochen nach der Tat, vom Zeitpunkt an, als Leiris von Hélènes Tod erfährt. Mit ihr hat er die Liebe seines Lebens verloren, doch er darf sich seiner Trauer nicht hingeben, denn sein kleiner Sohn braucht ihn. Tägliche Rituale mit Melvil wie Abendessen, Baden und Vorlesen halten Leiris aufrecht. Dabei versucht er, seinen Sohn so gut wie möglich darüber hinwegzutrösten, dass seine Mutter nicht mehr wiederkommt.
Das Buch in Tagebuchform ist Ausdruck des tiefen Schmerzes eines Mannes, der sein Liebstes durch sinnlose Grausamkeit verloren hat und darum kämpft, nicht in seiner Trauer unterzugehen, die Kontrolle über sein Leben und seine emotionale Würde zu behalten. 
In anderen Rezensionen fällt es mir leicht, darauf hinzuweisen, ein Buch sei gut geschrieben. Bei diesem würde das zynisch klingen. Aber tatsächlich beeindruckt es mit seiner schlichten, klaren  Sprache und der präzisen Beschreibung von Gefühlen, Gedanken und äußeren Umständen. Nicht melodramatisch, sondern wahrhaftig. Mich hat es sehr bewegt, zumal sich mir wie wohl jedem die Frage stellt: Wie würde es einem selbst in so einer Situation ergehen? Ich hoffe, dass viele Menschen dieses Buch lesen.





Freitag, 30. Dezember 2016

Zeitlos gut!



Thomas Hohensee: Ganz einfach Zeit haben. 140 Seiten. 14,90 €. DTV.
Vor Jahren nahm ich als gestresste Psychotherapeutin an einem Zeitmanagement-Seminar teil. Heraus kam ich mit einem sündteuren in Leder gebundenen Planer, in den ich jede Minute meines Tages mit Ziel und Zweck eintragen sollte. Wochenziele, Tagesziele, Stundenziele, sämtliche Tätigkeiten nach Prioritäten A, B und C geordnet. Überzeugend für den Kopf, aber voll an der Seele vorbei. Irgendwann lag der Planer nur noch dekorativ auf meinem Schreibtisch. Weil es der falsche Ansatz war.
Thomas Hohensees Buch hat schon beim Lesen eine entspannende Wirkung. Weil es mit seinen Angeboten ganz viel Freiheit gibt. Alles kann, nichts muss. Die Entscheidung, mehr Zeit für die wichtigen Dinge im Leben zu haben, liegt klar bei uns selbst. Und wer das akzeptiert, findet hier eine wunderbare Anleitung.

Montag, 12. Dezember 2016

Wiener Winter



Petra Hartlieb: Ein Winter in Wien. 173 Seiten, 16,99 €. Kindler
Petra Hartliebs autobiografischen Bestseller „Meine wundervolle Buchhandlung“ habe ich seinerzeit mit Vergnügen gelesen. Darin beschreibt die Autorin, wie sie auf abenteuerliche Weise eine Buchhandlung in Wien eröffnet hat. Nun hat sie sich auch auf das Gebiet der Fiktion gewagt. Dabei bleibt sie ihrem Metier treu, denn in „Ein Winter in Wien“ geht es um einen Buchhändler und um ein junges Kindermädchen, die sich im Wien der Jahrhundertwende ineinander verlieben. Eine romantische, zarte Liebesgeschichte, die auch einiges von der Kluft zwischen den vornehmen Herrschaften und ihrem Personal beschreibt. Marie, eine schüchterne junge Frau aus einfachen Verhältnissen, wird Kindermädchen bei dem Schriftsteller Arthur Schnitzler. Als sie eines schönen Wintertages ein Buch für ihn abholen muss, lernt sie den jungen Buchhändler Oskar kennen. Die vorsichtige Annäherung der beiden wechselt mit Schilderungen des familiären Milieus im Hause Schnitzler ab.
Das liest sich flüssig und charmant und passt zu einem gemütlichen Winterabend.  

Freitag, 9. Dezember 2016

Magische Momente



Dorothee Röhrig: Die 5 magischen Momente des Lebens. 249 Seiten, Kailash Verlag. 19,99 €
Sie sollten sich das Buch vorlesen lassen, von jemandem mit einer schönen Stimme. Dann erschließt sich besonders gut, mit welcher Feinheit der Sprache und Tiefgründigkeit die Autorin ihre persönliche Geschichte zu den magischen Momenten reflektiert. So jedenfalls ging es mir bei einer Lesung mit Dorothee Röhrig in Hamburg. Aber natürlich ist auch das eigene Lesen ein Vergnügen.
Magische Momente sind diejenigen Augenblicke im Leben, in denen sich plötzlich eine neue Sicht auftut. Das kann durch ein Erlebnis, eine Begegnung, ein Satz bewirkt werden – und plötzlich ist nichts mehr, wie es vorher war. Wir finden den Mut, innerlich und äußerlich etwas Neues zu wagen. Wohl jeder von uns kennt solche radikal verwandelnden Aha-Erlebnisse, die wie Leuchtraketen unseren Weg erhellen und uns auf den verschiedensten Gebieten mehr zu uns selbst führen.
Dorothee Röhrig erkundet mit berührender Offenheit ihre eigenen magischen Momente. Ergänzend lässt sie Menschen aus ihrem Umfeld und einige Prominente wie Ina Müller oder Barbara Schöneberger mit ihren Erfahrungen zu Wort kommen. Durch ausführliche Gespräche mit Expertinnen und Experten aus den Bereichen Psychologie, Philosophie, Theologie und Hirnforschung erhalten die persönlichen Geschichten zudem einen wissenschaftlichen Hintergrund.
Ein Buch, das durch seine Vielfältigkeit fasziniert und dazu anregt, einmal in Ruhe auf die magischen Momente im eigenen Leben zu schauen.  

Dienstag, 29. November 2016

Botschafter des Universums



Mike Dooley: Die Matrix der Wunscherfüllung. 250 Seiten. Knaur Menssana. 9,99 €

An den Botschafter des Universums
Herrn Mike Dooley

Lieber Mike,

du weißt ja, seit deinen liebevollen und klugen Sprüchen „Grüße vom Universum“ bin ich dein Fan. Nun habe ich ein weiteres Buch von dir gelesen und bin wieder ganz begeistert. Du hast eine so humorvolle und persönliche Art, das Geheimnis von Glück und Erfolg auf den Punkt zu bringen. Deine Botschaft lautet auch hier: Gedanken werden Dinge. Und dann zeigst du ausführlich, dass wir immer vom Endergebnis her denken sollen. Dabei hilft uns unsere Vorstellungskraft: Wie sieht es aus, wenn sich mein Traum erfüllt? Wie fühlt es sich an? Das ist der Leitstern für unser Handeln. Das heißt jedoch nicht, dass wir uns damit abplagen müssen, unsere Ziele zu erreichen. Es geht darum, dem Universum (ein anderes Wort dafür ist „Leben“) durch unsere Aktivitäten die Chance zu geben, uns zu unterstützen. Wir tun unseren Teil und das Universum erledigt in seiner unendlichen Weisheit den Rest, ganz in unserem Sinne.
Lieber Mike, ich finde deine Philosophie großartig. Sie verbindet Wunschträume mit Handeln und ist dabei unglaublich entspannend.
Mein Wunsch für dich: Dass noch viele Menschen dieses wunderbare Buch lesen und ihrem Leben auf diese Weise eine positive Wendung geben.

Liebe Grüße, auch ans Universum, von
Eva