Donnerstag, 11. Januar 2018

Wünsch dir was!

Bill Griffin: The Wish. Das Buch der 99 Wünsche. 220 Seiten. Heyne Encore. 15,00 €

In meinem Buch „Wunscherfüllung für Selbstabholer“ (das leider vergriffen ist) habe ich mich ausführlich mit Wünschen beschäftigt - von daher war ich auf dieses Wunsch-Buch neugierig. Doch hier geht es nicht um allgemeines Knowhow, sondern um 99 konkrete Wünsche mit jeweils ein paar guten Tipps, wie man sie verwirklichen kann. Außer Klassikern wie der Wunsch nach Millionen oder einer Weltreise gibt es hier eine ganze Palette individueller Sehnsüchte, etwa: „Ich wünschte, ich könnte mein Geheimnis mit jemandem teilen“ oder „Ich wünschte, ich wäre nicht so handysüchtig.“ Die hat sich der Autor nicht ausgedacht, sondern gesammelt. 2014 gründete er die Webseite Crowdwish. Wer will, kann ihm seitdem seinen Wunsch mailen, sei es ein materieller oder einer, der sich auf das Leben, den Beruf, die Familie  oder Freunde bezieht. Alle 24 Stunden sucht er sich dann aus den Einsendungen einen Wunsch heraus und unterstützt den Absender bei dessen Erfüllung. Im Laufe der Jahre kamen so fast 30.000 Mails zusammen. Also hat sich Bill Griffin entschlossen, die 99 meistgenannten Wünsche auszuwählen und ein Buch darüber zu schreiben. In „The Wish“ geht er zwei Seiten lang auf jeden einzelnen Wunsch ein und gibt praktische Ratschläge, wie man ihn am besten erfüllen kann. Die Tipps sind ebenso kurz und knapp wie klug und praktisch. Zumindest vermitteln sie einen Denkanstoß. Am Ende steht immer ein Urteil über die Wahrscheinlichkeit, dass einen die Erfüllung tatsächlich glücklich macht.
„The Wish“ ist ein anregendes Buch. Es zeigt, dass sich die meisten scheinbar unerreichbaren Wünsche mit Knowhow, Planung, Kreativität und Spontanität durchaus erfüllen lassen. Sag´ ich doch!

Samstag, 6. Januar 2018

Die Glücksformel

Mo Gawdat: Die Formel für Glück und wie Sie diese nutzen.

283 Seiten. 19,99 €. Redline
Dass sich hier einmal keiner aus den Fachbereichen Psychologie,  Philosophie, Gehirnforschung oder Esoterik mit dem Thema Glück befasst, ist erfrischend neu. Mo Gwadat ist Ingenieur und Vizepräsident in Googles innovativster Denkfabrik – da darf man gespannt sein, was er zum Thema zu sagen hat. Tatsächlich geht er die Frage „Wie werde ich glücklich“ auf rationale Weise an. Strukturiert und analytisch prüft er Fakten und sucht die Logik dahinter. Gawdat geht davon aus, dass wir glücklich zur Welt kommen, dann aber durch unsere Sozialisation verwirrt werden. Indem wir jedoch lernen, unsere Gedanken zur Räson zu bringen und grundlegende Irrtümer über das Leben erkennen, haben wir unser Glück selbst in der Hand. Auch wenn der Autor streng logisch vorgeht, erkennt man hinter seiner Formelsprache doch immer wieder psychologisch-philosophische Erkenntnisse, zum Beispiel die von dem altgriechischen Philosophen Epiktet aufgestellte These „Nicht wie die Dinge sind, ist entscheidend, sondern wie wir sie sehen“.
Mo Gawdat hat das Buch nach einem schrecklichen Verlust geschrieben: Sein Sohn Ali ist mit 21 Jahren durch einen ärztlichen Kunstfehler gestorben. An diesem Schmerz muss sich die Glücksformel beweisen – und sie tut es! Sie versetzt den trauernden Vater in die Lage, nicht zu verzweifeln, sondern trotz allem noch ein glückliches Leben zu führen.
Ein ausgesprochen inspirierendes Buch über die Praxis des Glücks. An manchen Stellen hätte ich zwar gerne mit dem Autor diskutiert, weil ich als Psychologin einiges anders sehe als er, doch das Ergebnis ist zweifellos wirkungsvoll und im Alltag hervorragend anwendbar.

Samstag, 16. Dezember 2017

Farbenblind

Trevor Noah: Farbenblind. 333 Seiten. Blessing. 19,99 €

Trevor Noah ist in den USA ein bekannter TV-Moderator, Comedian und Schauspieler. Doch seine Kindheit und Jugend, die er in diesem Buch beschreibt, war unter dem grausamen Apartheitsregime Südafrikas alles andere als glanzvoll. Trevor wurde 1984 in Johannisburg als Sohn einer Schwarzen vom Volksstamm der Xhosa und eines Schweizers geboren. Die Verbindung seiner Eltern verstieß gegen den seit 1927 in Südafrika gültigen Immorality Act, der die Beziehung zwischen Europäern und Eingeborenen unter Strafe stellte. Während dieses menschenverachtenden Regimes, das bis 1990 dauerte, war das Leben für die alleinerziehende Mutter, die sich nur heimlich mit dem Vater ihres Kindes treffen konnte, sehr schwer. Doch als starke und innerlich unabhängige Frau ließ sie sich trotz Schikanen und vielen täglichen Widrigkeiten nicht unterkriegen. Noah beschreibt sie mit großer Liebe und Hochachtung. Er erzählt auch offen davon, wie er und seine Freunde sich mit illegalen Geschäften wie Raubkopieren und Hehlerei versuchten, sich das Leben etwas angenehmer zu gestalten. 
Beim Lesen wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Das Buch gibt einen persönlichen Einblick über das Leben während der Apartheit. Die Vorstellung, dass es noch gar nicht lange her ist, dass Menschen darunter leiden mussten, ist erschütternd. Aber Trevor Noah beschreibt selbst schlimme Situationen mit viel Humor und findet selbst in üblen Erfahrungen noch komische Aspekte. Von daher ist es tatsächlich auch ein unterhaltsames Buch. Lesenswert!

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Memoiren eines Psychotherapeuten

Irvin D. Yalom: Wie man wird, was man ist. Memoiren eines Psychotherapeuten. 444 Seiten. btb , 25.- €

Irvin Yalom ist mir schon seit dem Psychologiestudium vertraut. Sein Buch über Gruppentherapie war damals unsere Bibel. Die erstand ich, (sorry, ich war jung und hatte kein Geld) als Raubdruck auf dem Campus. Auch seine - nun rechtmäßig erworbenen - späteren Romane über Psychotherapie habe ich verschlungen, etwa „Die Liebe und ihr Henker“, „Die rote Couch“ und „Die Schopenhauer-Kur“. Nun hat Yalom also seine Memoiren geschrieben.
Als Sohn russischer Einwanderer 1931 geboren, ist er einer der bekanntesten Psychoanalytiker der USA und Bestsellerautor. Mit inzwischen 86 Jahren blickt er auf ein erfülltes Leben zurück: Er berichtet offen von seiner Kindheit in ärmlichen Verhältnissen, seiner medizinische Ausbildung, den Kämpfen der verschiedenen psychotherapeutischen Schulen, von wohlwollenden Mentoren, enttäuschenden Erfahrungen mit Berühmtheiten und Drogenexperimenten, aber auch von privatem Glück mit seiner Frau Marilyn, Reisen und guten Freunden.
Yalom schreibt wie ein Chronist, genau, sachlich, der Reihe nach. So kann man als LeserIn den Werdegang dieses eigenwilligen großen Psychotherapeuten, der sich immer durch seine Menschlichkeit ausgezeichnet hat, genau verfolgen. Parallel dazu ist es auch ein Stück Zeitgeschichte. Die Autobiographie ist interessant für diejenigen, die Yalom über seine Romane kennen und schätzen, ebenso für alle diejenigen, die sich für Psychotherapie interessieren 

Mittwoch, 29. November 2017

Roadtrip

Tim Bauerschmidt, Ramie Liddle: Driving Miss Norma. Sag ja zum Leben. 286 Seiten. Heyne. 18.00 € 
Norma Bauerschmidt ist 90 Jahre alt und erst seit kurzem verwitwet, als bei ihr ein bösartiger Krebs diagnostiziert wird. Das Programm der Ärzte sieht Operation und Chemotherapie vor. Doch Miss Norma beschließt, stattdessen gemeinsam mit Sohn Tim, Schwiegertochter Ramie und dem Familienpudel Ringo zu ihrer letzten großen Reise aufzubrechen. Gemeinsam machen sie sich mit einem Wohnmobil auf einen Roadtrip quer durch die Vereinigten Staaten auf. Jeder Tag bietet Unbekanntes, dem sich die Reisegefährten stellen müssen. Norma nimmt die Herausforderung an, stellt sich ihren Ängsten und holt vieles von dem nach, was sie in ihrem bisherigen Leben versäumt hat. Per Facebook darf die Öffentlichkeit an diesem Abenteuer teilnehmen. Auf den Fotos sieht man Norma fröhlich lachend. In kurzer Zeit hat die alte Dame tausende Fans. Doch trotz Glücksgefühlen und Abenteuerlust muss sich die kleine Reisegruppe schließlich der Realität stellen. Normas Gesundheitszustand verschlechtert sich nach einigen Monaten rapide. So mutig, wie sie gelebt hat, geht sie, von ihren Kinder und der Mitarbeiterin eines ambulanten Hospizes betreut, auf die Reise ohne Wiederkehr.
„Driving Miss Norma“ ist die sehr persönliche Beschreibung eines Roadtrips, der in Rückblenden auch einiges vom Vorleben der Personen preisgibt. Mir gefällt besonders die Ehrlichkeit, mit der auch emotionale und praktische Probleme nicht ausgeblendet werden. Das Autorenpaar Tim und Ramie beschreibt abwechselnd in schlichten Worten, warmherzig, lebensbejahend und voll positiver Emotionen ein intensives Jahr des gemeinsamen Lebens im Angesicht des Todes. Am Ende haben nicht nur die Beteiligten viel voneinander erfahren und gelernt, sondern gewiss auch die Leserschaft. Ich nehme jedenfalls mit, dass es nie zu spät ist, glücklich zu sein – wenn man es will!

Montag, 20. November 2017

Helikopter-Eltern im Anflug

Lena Greiner, Carola Padtberg: Verschieben Sie die Deutscharbeit – mein Sohn hat Geburtstag. 222 Seiten, 9,99 € , Ullstein Verlag.
„Heute werden die Kinder eben anders erzogen als früher“, bemerkte eine ältere Dame spitz zu mir, während die Eltern eines Vierjährigen entzückt zusahen, wie er begeistert Sahne auf dem Tisch verteilte. Dieses Buch ist dafür ein guter Beleg. Es beschreibt Helikopter-Eltern, die ihre Premium-Kids bis zur Selbstaufgabe umkreisen. Ihre Aktivitäten sind hier in die Lebensphasen des Nachwuchses eingeteilt: Schwangerschaft, Kita, Schulweg, Schule inklusive Gang zum Gericht, Krankheiten, Uni und Ausbildung. Dabei handelt sich keineswegs um einen Erziehungsratgeber mit pädagogisch erhobenem Zeigefinger, sondern um eine skurrile Sammlung von Erlebnissen, die Hebammen, ErzieherInnnen, LehrerInnen, AnwältInnen, ÄrztInnen und ProfessorInnen den Autorinnen - beide Journalistinnen bei Spiegel Online -  vermittelt haben. Da trägt eine Mutter trotz Bandscheibenvorfall ihren Zweijährigen auf dem Arm, weil der partout nicht in den Buggy will. Eine andere gibt in der Kita die Anweisung, dass man ihrem Augenstern bei exakt 18,5 Grad der Pulli anziehen soll. Ein 15jähriger darf nicht allein mit der U-Bahn fahren und ein Vater erkundigt sich beim Professor nach den Noten seines studierende Sohnes  – das alles liest sich sehr lustig, wenn die Tatsachen nicht so traurig wären. Am Ende hat das Buch durchaus eine Ratgeberfunktion, aber durch die Hintertür. Vielleicht erkennt sich ja  jemand selbstkritisch wieder.
Liebe Autorinnen, hier kommt mein verspäteter Beitrag: Kürzlich in einer Boutique in Hamburg-Eppendorf (entspricht Berlin-Prenzlauer Berg). Eine Mutter probiert ein teures Outfit, ihr fünfjähriger Sohn schlägt derweil mit einer Metallschnalle auf den Spiegel ein. Die Verkäuferin macht sehr freundlich darauf aufmerksam, der Spiegel könne kaputtgehen. Darauf die Eppendorf-Mutter empört: „Machen Sie sich lieber Gedanken darüber, dass sich mein Sohn verletzen könnte!“
  



Montag, 13. November 2017

Zeitreise


Jürgen Hunke: Du wirst 70. Freu dich drauf. Und: Zeitreise. Mein Leben in Stichworten.19,90 €.  Mikado Verlag
Ich lese gerne Ratgeber von erfolgreichen Menschen. Sie haben meist etwas Interessantes zu sagen. Jürgen Hunke. Jahrgang 1943,  ist so einer: Unternehmer, Galerist, Privatier und Mäzen. Außerdem hat er hat seinen eigenen Verlag Mikado gegründet, in dem er seine Bücher herausbringt - eben auch dieses Doppelbuch. Es gibt also 2 Bücher in einem. Und die haben mich unterschiedlich angesprochen:
Buch Nr. 1 befasst sich mit umfassenden Tipps fürs Alter. Zum Beispiel: Ernährung, Gesundheit, Wohnformen, Internet, Vorsorge. Die Ratschläge sind durchaus richtig und praktisch, werden aber sehr allgemein dargeboten. Ich hätte mir gewünscht, dass mehr Persönliches, eigene Erlebnisse, eingeflossen wären. So sind es eher Statements, die den Kopf erreichen, aber nicht das Herz berühren.
Buch Nr. 2, „Zeitreise“, gefällt mir aus genau diesem Grund:  Die Persönlichkeit wird sichtbar. Schließlich sind es doch vor allem die Erfahrungen, von denen man als LeserIn profitiert. Hier zeigt sich ein engagierter Mann, der sich um seine Umwelt Gedanken macht. Die vielfältigen Themen sind unter anderem: Altersarmut, Ehrenamt, Karriere, Religion, Politik, Lebensplanung, Familie.
Ich finde es großartig, dass sich eine Persönlichkeit wie Jürgen Hunke auf diese Weise mitteilt. Wir brauchen erfolgreiche, eigenwillige Menschen, die nicht nur an sich denken, sondern sich auch Gedanken um das Wohlergehen anderer machen. In diesem Sinne sind es zwei lesenswerte Bücher.