Freitag, 17. November 2017

Lebenslinien

Jürgen Hunke: Du wirst 70. Freu dich drauf. Und: Zeitreise. Mein Leben in Stichworten.19,90 €.  Mikado Verlag

Ich lese gerne Ratgeber von erfolgreichen Menschen. Sie haben meist etwas Interessantes zu sagen. Jürgen Hunke. Jahrgang 1943,  ist so einer: Unternehmer, Galerist, Privatier und Mäzen. Außerdem hat er hat seinen eigenen Verlag Mikado gegründet, in dem er seine Bücher herausbringt - eben auch dieses Doppelbuch. Es gibt also 2 Bücher in einem. Und die haben mich unterschiedlich angesprochen:
Buch Nr. 1 befasst sich mit umfassenden Tipps fürs Alter. Zum Beispiel: Ernährung, Gesundheit, Wohnformen, Internet, Vorsorge. Die Ratschläge sind durchaus richtig und praktisch, werden aber sehr allgemein dargeboten. Ich hätte mir gewünscht, dass mehr Persönliches, eigene Erlebnisse, eingeflossen wären. So sind es eher Statements, die den Kopf erreichen, aber nicht das Herz berühren.
Buch Nr. 2, „Zeitreise“, gefällt mir aus genau diesem Grund:  Die Persönlichkeit wird sichtbar. Schließlich sind es doch vor allem die Erfahrungen, von denen man als LeserIn profitiert. Hier zeigt sich ein engagierter Mann, der sich um seine Umwelt Gedanken macht. Die vielfältigen Themen sind unter anderem: Altersarmut, Ehrenamt, Karriere, Religion, Politik, Lebensplanung, Familie.
Ich finde es großartig, dass sich eine Persönlichkeit wie Jürgen Hunke auf diese Weise mitteilt. Wir brauchen erfolgreiche, eigenwillige Menschen, die nicht nur an sich denken, sondern sich auch Gedanken um das Wohlergehen anderer machen. In diesem Sinne ist es zwei lesenswerte Bücher.

Montag, 13. November 2017

Gefühle runter von der Couch!

Christian Dogs, Nina Poelchau: Gefühle sind keine Krankheit. 230 Seiten, 20.- € , Ullstein

Eigentlich hatte ich unter dem Titel eine ausführliche psychologische Betrachtung von verschiedenen Gefühlen erwartet. Doch der Facharzt für Psychiatrie und Psychosomatik (mit einer Journalistin als Co-Autorin) befasst sich mit dem Thema überwiegend unter einem anderen Aspekt: Die oft falsche Behandlung von Gefühlen in der Psychotherapie. Besonders und sehr bewegend ist, dass er seine persönliche Erfahrung aus Kindheit und Jugend einbringt. Dogs hat furchtbar unter einem sadistischen Vater und einer alkoholkranken Mutter gelitten. Dass er diese familiäre Hölle überwinden konnte, macht ihn als Therapeut so glaubwürdig. Da schreibt jemand, der Leid kennt und es trotzdem geschafft hat, sein Leben positiv zu gestalten. Das eigene Erleben und seine langjährige Berufserfahrung als Klinikleiter führen dazu, dass er mit Depressionen, Burn-out, Magersucht und anderen seelischen Störungen wesentlich praktischer und effektiver umgeht, als es in Therapien oft üblich ist. Der Autor erklärt mit vielen Beispielen, warum es so wichtig ist, unangenehme Gefühle und Warnsignale des Körpers frühzeitig wahrzunehmen. Und er beschreibt, wie eine Psychotherapie aussehen sollte, falls Selbstheilungskräfte nicht ausreichen: Empathisch, offen, partnerschaftlich und wirkungsvoll. Das verbindet Dogs mit scharfer Kritik an veralteten Therapieverfahren, an Verstrickungen von Ärzten und Therapeuten mit der Pharmaindustrie und an Therapiekonzepten, die Patienten auch mit Blick aufs Honorar unnötig in Abhängigkeit halten.
Die Stärke des Buches liegt darin, dass es Mut macht, sich den eigenen Gefühlen zu stellen. Außerdem informiert es darüber, wie eine sinnvolle Therapie nach neuer Forschung sein sollte. Bedauerlich ist, dass es in der zweiten Hälfte vom Thema Gefühle abkommt. Und wenn man schon die Beschreibung einzelner Therapiemethoden mithinzunimmt, dann bitte nicht so kurz, zudem fehlen wichtige Methoden wie etwa die Gestalttherapie.
Als ehemalige Psychotherapeutin empfehle ich das Buch. Es ist gut lesbar und für jeden interessant - besonders aber für diejenigen, die eine Psychotherapie machen oder erwägen.


Mittwoch, 8. November 2017

Neunmal Romantik

Jojo Moyes: Kleine Fluchten. Geschichten vom Hoffen und Wünschen. 137 Seiten, 12.- €. Wunderlich

Ich habe schon mit Vergnügen zwei Bücher von Jojo Moyes gelesen. Sie hat einen ganz eigenen, warmherzigen Schreibstil, der immer voller Mitgefühl für ihre ProtagonistInnen ist. Der zeigt sich auch in diesen neun Kurzgeschichten: Der Mantel vom letzten Jahr. Ein Spatz in der Hand. Der Wunschzettel. Krokodilschuhe. Liebe am Nachmittag. Holdups. Dreizehn Tage mit John C. Between the Tweets. Margot. 
Die Storys erzählen vom kleinen, alltäglichen Glück und Unglück ganz normaler Menschen, von ihren Sehnsüchten nach einem anderen, besseren Leben. Das ist anrührend und manchmal überraschend, romantisch, aber nie kitschig. Verstärkt wird die Wirkung noch durch stimmungsvolle farbige Illustrationen von Daniela Terrazini.  
Die Lektüre bietet auch kleine angenehme Fluchten in eine andere Welt für Leserinnen – es ist sicher mehr ein Buch für Frauen als für Männer. Mit seinem handlichen Format begleitet es in die S-Bahn oder abends ins Bett.  

Donnerstag, 2. November 2017

Bitte recht freundlich

Jens Weidner: Optimismus. Warum manche weiter kommen als andere. 218 Seiten, 19,95 €.

Jens Weidner ist Professor für Erziehungswissenschaften und Kriminologe – vor allem aber ist er Vorstandsmitglied im Wirtschaftsclub  der Optimisten. Was beweist: Der Autor brennt für das Thema. Sein Buch basiert unter anderem auf den Daten einer Optimismus-Studie, die der Club beim renommierten Rheingold Marktforschungsinstitutes in Auftrag gegeben hat.
Als erstes erfährt man Historisches und Wissenswertes über Optimismus und Pessimismus. Danach kann man mit einem Fragebogen testen, welcher Optimismus-Typ man selbst ist. Im dritten Teil folgt eine differenzierte, kritische Betrachtung des Optimismus, immerhin kann die rosarote Brille auf der Nase eines naiven Menschen für ihn und andere gefährlich werden. Ideal erscheint der „Best-of-Optimist", der ebenso vorsichtig wie hoffnungsvoll ist, sich freundlich zeigt, aber auch anders kann. In den folgenden Teilen geht es um Strategien, wie ein gesunder Optimismus lebenslang umzusetzen ist, auch in schwierigen Situationen. Das Buch endet mit einer Zusammenfassung von 25 Praxistipps.
Weidner schreibt anschaulich und trotz aller Wissenschaftlichkeit sehr gut verständlich. Schön sind die vielen Beispiele, auch aus eigener Erfahrung. Ein anregendes und informatives Buch, das Lust macht, einen eigenen Optimisten-Club zu gründen - notfalls mit nur einem Mitglied.