Donnerstag, 15. November 2018

Geheimnisvolles Tanger

Christine Mangan: Nacht über Tanger. 367 Seiten. 22.- €. Blessing
Tanger 1956. Die junge, sensible Amerikanerin Alice Shipley ist ihrem Ehemann John ins spätkoloniale Marokko gefolgt. Im Gegensatz zu John fühlt sie sich in der Stadt unwohl und verlässt nur selten ihre Wohnung. Eines Tages steht unerwartet Lucy Mason vor ihrer Tür. Sie und Alice waren am College in England unzertrennlich. Die furchtlose, selbständige Lucy trat vehement als Beschützerin der zarten, introvertierten Alice auf, bis ein mysteriöser Autounfall die enge Beziehung beendete. Seitdem haben die beiden sich nicht mehr gesehen. Lucy nistet sich als Gast in Alice Wohnung ein und tut alles, um ihre ungeteilte Zuneigung zurückzugewinnen. Dabei ist ihr der Ehemann im Weg…  
Der Roman vibriert vor unterschwelliger Spannung. Dabei wird das Geschehen mit zahlreichen Rückblenden aus der Sicht beider Frauen erzählt und gibt von Anfang an Rätsel auf. Erst nach und nach wird klar, dass hier eine Psychopathin ihr perfides Spiel treibt Katastrophe oder Happyend? Das bleibt bis zum Schluss offen. Außer der raffinierten Erzählform entsteht ein Teil der Faszination durch das Lokalkolorit. Die unüberschaubare, für Fremde gefährliche Stadt Tanger ist der exotische Hintergrund, vor dem sich die Handlung entfaltet.
Ein spannender Psychothriller, den ich nicht aus der Hand legen konnte.
Für Liebhaberinnen dieses Genres ist er gewiss ein Leckerbissen.
P.S.: Ein Extralob gibt es von mir für das attraktive Titelbild, das an Ingrid Bergmann in „Casablanca“ erinnert.

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