Donnerstag, 27. April 2017

Genial!



Angela Duckworth: Grit.Die neue Formel zum Erfolg. 478 Seiten. 19,99 €. C.Bertelsmann
„Ein Genie bist du auch nicht gerade“, pflegte Angela Duckworths Vater früher zu ihr sagen. Für Psychologen ist das ein Killersatz, mit dem man bei genügend Wiederholungen einem Kind das Selbstvertrauen rauben kann. Nicht so der 1970 geborenen Amerikanerin chinesischer Abstammung. Sie scheint das im Gegenteil erst recht motiviert zu haben, sich wissenschaftlich auf hohem Niveau mit der Frage zu beschäftigen: Was führt wirklich zum Erfolg? Es zeigt sich, dass Genialität, Talent und ein hoher IQ weniger wichtig sind, als man annimmt. Entscheidend sind vielmehr Eigenschaften, die Duckworth unter dem Begriff „Grit“ zusammenfasst: „Mit Begeisterung und Leidenschaft ein übergeordnetes Ziel zu verfolgen und dabei auch die notwendige Ausdauer mitzubringen, um die Sache durchzuziehen.“
Das Ergebnis als solches ist nicht brandneu. Bücher mit der Aussage, Talent würde überschätzt, gibt es bereits. Doch Angela Duckworth belegt ihre Aussage mit eigenen Erfahrungen, interessanten Studien, kollegialen Gesprächen und Biografien erfolgreicher Zeitgenossen. Außerdem kann man den eigenen Grit testen und erhält Ratschläge, wie sich mehr davon entwickeln lässt.
Die (im guten Sinne typisch amerikanische) Mischung von persönlicher Erfahrung und wissenschaftlichen Erkenntnissen liest sich leicht und inspirierend. „Grit“ ist ein fundierter Trost für alle, die auch gehört haben, sie seien nicht genial.

Montag, 17. April 2017

Unterwegs



Rolf Potts: Weltenbummeln. Vagabonding. 266 Seiten. 16,99 €. Riva
Während ich dies schreibe, steht meine gepackte Reisetasche neben mir, das Ticket nach Samoa obenauf.
Ach ja, schön wär´s…! Nach der Lektüre des versierten Reisenden Rolf Potts bekommt man nicht nur große Lust, sich auf den Weg zu machen, sondern ist auch bestens informiert. Und das nicht etwa mit kleinteiligen Tipps, sondern umfassend.
Das Buch ist in 5 Teile gegliedert. Die ersten beiden beschäftigen sich mit der Vorbereitung. Der dritte, „Unterwegs“, ermuntert dazu, offen für neue Erfahrungen zu sein. Nummer Vier, „Seit langem auf Reisen“, weist auf den Umgang mit realen Gegebenheiten in der Fremde hin. Zum Schluss berät „Wieder zu Hause“, wie man sich nach der Rückkehr in die Heimat einfädelt.
Potts Anleitung zum (Welt-)Reisen ist die anregendste, die ich bisher gelesen habe. Sie gibt nicht nur praktische Ratschläge, Hinweise auf Internetadressen und weitere nützliche Lektüre, sondern befasst sich auch mit philosophischen und emotionalen Hintergründen. Dazu passen die eingestreuten Zitate und Beispiele aus dem Leben berühmter Reisender.
Beim Lesen hatte ich das Gefühl, einem in puncto Reisen sehr erfahrenen Freund zuzuhören, der mir trotz seiner Begeisterung sachlich und klar erklärt, auf was ich möglichst achten sollte.
Auch wer nicht vorhat, demnächst eine Reiseauszeit zu nehmen, wird von diesem Buch inspiriert sein. Mir wurde jedenfalls dabei bewusst: Das ganze Leben ist eine Reise. Und Potts Anleitung ist auch dafür sehr geeignet.

Montag, 10. April 2017

Gutes Geld für gute Arbeit



Stephane Etrillard: Work for Pay – Pay for Work. 218 Seiten. 24,95 € Business Village
Das Wortspiel zur Selbständigkeit hat in den meisten Fällen seine Berechtigung: Man muss selbst ständig arbeiten. Wenn es gut läuft, lohnt sich der Einsatz, doch oft genug kommt trotz allem Engagement finanziell nicht genug heraus. Und nur von Freiheit, Selbstverwirklichung und Idealismus wird man nicht satt. Dem setzt Stephane Etrillard, Berliner Coach mit französischen Wurzeln, Hilfreiches entgegen.
Er beginnt mit einer Bestandsaufnahme und erläutert, warum Selbstständige oft scheitern. Es reicht eben nicht aus, gute Qualität zu liefern, man muss auch rechnen können. Kalkulation, Preisgestaltung, Positionierung und Kundenaquise sind dazu die Themen.  Anschaulich wird es durch viele Beispiele aus dem Erfahrungsschatz des Autors.  Soweit „Work for pay“. Der Aspekt „Pay for work“ bezieht sich auf die kaufmännische Ethik, etwa dass man nicht die Notlage eines Geschäftspartners ausnutzt, Preise drückt oder Zahlungen verschleppt. In heutiger Zeit hat es durchaus seine Berechtigung, daran zu erinnern.
Ein informatives, gut strukturiertes Buch, nach dessen Lektüre vermutlich so manche(r) Selbständige erschrocken die Preise erhöht.   

Dienstag, 28. März 2017

Nur Mut!



Lou Hamilton: Brave New Girl. Wie wir furchtlos werden. 213 Seiten, 15.-€. Kindler

Unter dem Titel hatte ich einen psychologischen Ratgeber erwartet, nach dem Motto: Hier finden Sie die besten Tipps, wie Sie mit Ihrem cholerischen Chef umgehen oder sich Ihren Traum vom Fallschirmspringen erfüllen. Nun, gute Tipps gibt es tatsächlich, aber ganz anders als erwartet: 

Lou Hamilton vermittelt ihre ermutigenden Ratschläge mit dem Zeichenstift. Ihre Protagonistin ist eine Figur, die sie selbst so beschreibt: „Ein bisschen Frau, ein bisschen Kind, ein bisschen Tier, ein bisschen Ninja.“ Der Name dieses kleinen Strichwesens ist Brave New Girl, kurz BNG.
Jedes Mal, wenn ihre Schöpferin selbst Angst hatte, etwa vor einem Flugzeugabsturz, oder angeregt wurde, zum Beispiel durch die Biografie eines Astronauten, setzte sie das in eine BNG-Episode um. Schließlich fasste sie die Zeichnungen in 10 Kapiteln zusammen, von „Hol dir den Mond vom Himmel“ über „Frechheit ist Freiheit“ bis „Du bist gut genug“.

Die auf den ersten Blick unspektakulären Zeichnungen, jeweils mit einem auffordernden Satz versehen, haben es in sich. Wenn man sich auf sie einlässt, entfalten sie ihren Zauber. Und plötzlich denkt man bei einem Bild mit dem Titel  „Verbringe einen Teil deines Tages mit dem Kopf in den Wolken“ oder „Lass friedliche Orte entstehen“: Ja, genau, das sollte ich mal ausprobieren.
Ein inspirierendes, humorvolles, liebenswertes Büchlein, das auf seine Art bewirkt, was der Titel verspricht.          
   

Mittwoch, 15. März 2017

Leichter leben



Sháá Wasmund: Do less, get more. Warum weniger mehr ist. 240 Seiten. DTV . 16,90 €
Bekenntnis einer Multitasking-Queen: Die Autorin war selbst jahrelang in einer Zwangsjacke der Betriebsamkeit gefangen. Das ist eine gute Voraussetzung, um nach der Befreiung Leidensgenossinnen und –genossen konkrete Ratschläge zu geben, wie man es besser machen kann. 
Am Anfang steht immer die Bestandsaufnahme. Dazu gibt es Checklisten, etwa „Womit verbringen Sie Ihre Zeit?“ oder „Würdigen Sie Ihre Stärken?“ Das verhilft zur Selbsterkenntnis: Was ist mir wichtig? Wo kann ich kürzertreten? Darauf folgen dann Ausdeutungen und Tipps, zum Beispiel wie man filtert oder fokussiert. Wasmut erfindet nicht das Rad neu, die Vorschläge hat man gewiss schon mal anderswo gelesen. Aber hier sind sie in vier Teilen einfach und klar zusammengestellt. Ein großes Plus ist dabei das übersichtliche Layout. 
Auf der Rückseite des Covers heißt es zum Thema persönlicher Zeit- und Glücksgewinn so schön: „Sie müssen Ihr Leben nicht umbauen, es genügt, wenn Sie es bedarfsgerecht renovieren.“ Mit dem praktischen Handwerkszeug in diesem hilfreichen Buch dürfte es gelingen.