Dienstag, 9. September 2014

DIE GIERIGEN

Karine Tuil: Die Gierigen. (Roman) Aufbau Verlag, 477 Seiten, 19,95 €

Eigentlich hatte ich vor, nur Sachbücher zu rezensieren. Aber nun erweitere ich das Repertoire gerne um den einen oder anderen Roman - wenn er so spannend und psychologisch interessant ist wie dieser.

Die französische Autorin Karin Tuil hat drei Lebensgeschichten miteinander verwoben, die von Samir, Samuel und Nina.:
Nina und Samuel sind ein Paar, bis Nina mit dem gemeinsamen Freund Samir eine leidenschaftliche Affäre beginnt. Samuel gewinnt Nina zurück, Samir geht nach New York und man verliert sich aus den Augen. Soweit die Vorgeschichte.  Zwanzig Jahre später sehen Nina und Samuel ihren alten Freund zufällig im Fernsehen. Er ist inzwischen ein berühmter Anwalt  und mit der Tochter eines der reichsten Männer der USA verheiratet. Allerdings hat er seine Karriere auf einer Lüge aufgebaut : Er verleugnet seine arabische Abstammung und gibt sich als Jude aus.
Samuel und Nina, die mehr recht als schlecht in Frankreich leben - Samuel ist Sozialarbeiter und träumt davon Schriftsteller zu werden, Nina schlägt sich als zweitklassiges Model durch  - nehmen Kontakt zu ihm auf. Dabei flammt die alte Leidenschaft zwischen Nina und Samir wieder auf. Nina verlässt Samuel und geht als Samirs Geliebte nach New York.
Ein Gewinner, ein Verlierer, eine schöne Frau zwischen zwei Männern - das könnte eine triviale Geschichte sei. Ist es aber keineswegs, denn im weiteren Verlauf kehren sich  die Verhältnisse unvermittelt und schicksalhaft um. Wie - das möchte ich hier nicht verraten, um potenziellen Lesern nicht die Spannung zu nehmen. Vor allem aber gelingt es der Autorin, die Beweggründe ihrer drei Protagonisten und die gesellschaftlichen Hintergründe präzise zu beschreiben. Am Ende geht es um die innere und äußere Freiheit, im wahrsten Sinne des Wortes um jeden Preis.
Paris Match schreib dazu: "Mit Leidenschaft verschlingt man diesen Roman, der das Scheitern in unserer Gesellschaft in allen Variationen durchspielt." Ich kann dem nur zustimmen.

Keine Kommentare:

Kommentar posten